Schreibschnuppe Nr. 24/2026

Ich freue mich sehr, dass Martina gestern Abend einen neuen Schreibimpuls veröffentlichen konnte. Bei Vogel, Jäger, singen bot es sich an, über eine Katze zu schreiben. Da aber Martina selbst einen solchen Text geschrieben hatte, wollte ich mal etwas ganz anderes ausprobieren und wich damit auch von meinen sonstigen, märchenhaften Geschichten ab.

Ahnungslos schlenderte Matteo Conti durch die Straßen von Mailand. Auf einer kleinen Piazza setzte er sich an einen der Tische, die vor dem Eiscafé auf dem Gehsteig standen. Den Jäger, der ihm in einigem Abstand folgte, bemerkte er nicht. Als er plötzlich auf der Brusttasche seines Hemdes einen roten Punkt entdeckte, war es zu spät. Im nächsten Moment sank er lautlos über seinem Espresso zusammen. Ein Fremder entfernte sich unauffällig.
In der Villa de Benedetti läutete ein Telefon.
Der weißhaarige Hausherr lauschte und lächelte. Dann winkte er seinen Großneffen heran. "Sorge dafür, dass auch dieser Vogel nicht mehr singen kann."
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Schreibschnuppe Nr. 19/2026

Da ist er ja, Martinas Schreibimpuls.
Frieden, Hausschuh, klauen hieß er diese Woche. Ich bin überzeugt, dass auch hier, wie in verschiedenen anderen Aktionen Um die Ecke denken erlaubt ist. So habe ich das Wort "klauen", das von Martina im Sinne von "stehlen" gemeint war, einfach umfunktioniert, indem ich es groß geschrieben habe.
Die Nacht senkt sich über den Wald. Die Finsternis hält mich fest in ihren Klauen, sendet Schatten und Ängste und böse Träume. Gehetzt jage ich hindurch zwischen uralten Bäumen und dornigem Gebüsch. Ich flüchte. Wovor? Wohin?
Da! Die Lichtung im silbernen Mondlicht. An deren Rand im Schatten die kleine Hütte. Schwer atmend komme ich dort an. Reiße die Tür auf, taumle mit letzter Kraft hinein. Drinnen brennt ein wärmendes Feuer. Hausschuh aus Filz stehen bereit. Ich schlüpfe hinein. Sinke in den Ohrensessel und ziehe die gestrickte Decke über meine Schultern. Mit warmen Füßen und warmen Schultern finde ich meinen Frieden.
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Schreibschnuppe Nr. 18/2026

Während die Sonne ihr Blut über den Horizont ergoss, strömten Frauen zu hunderten in schweigender Prozession auf den Blocksberg. Sie versammelten sich an der riesigen Feuerstelle. Eine von ihnen, eine hochgewachsene, hagere Person, ganz in schwarz gewandet, trat an den aufgeschichteten Scheiterhaufen und entzündete die Flammen.
Der Himmel verdunkelte sich, Wind brauste auf. Funken stoben in alle Richtungen. Aus tausend Kehlen erklang Gesang. Busineskostüme wurden zu wallenden Gewändern in purpur, schwarz und violett. Nasen wurden lang und spitz. Strenge Frisuren lösten sich auf zu wilden Mähnen unter spitzen Hüten. Mancher Rücken krümmte sich zu einem Buckel.
Die Verwandlung hatte begonnen.

Gestern war es schon spät, als ich mir bei Martina den Schreibimpuls Horizont Funke Verwandlung abholte. Sofort hatte ich Bilder im Kopf, niedergeschrieben habe ich das Drabble dann erst heute Morgen. Da wollte es unbedingt hinaus in die Welt. Und weil heute Walpurgisnacht ist, die ihren Ursprung im keltischen Fest Beltane hat, habe ich euch noch ein Lied mitgebracht.

Schreibschnuppe Nr. 17/2026

Von Sorgen getrieben hastete Marie durch den Wald. Sie stolperte über Wurzeln. Tiefhängende Äste verfingen sich in ihrem Haar. Dornen zerkratzten ihr Arme und Gesicht. Sie bemerkte kaum etwas von alledem. Sie hatte nur eines im Sinn: Sie musste den Heiler finden, der einsam irgendwo hier im Wald lebte. Ohne dessen Kunst wäre Johann verloren, nachdem er während ihrer Flucht in diese Fallgrube gestürzt war und sich schwer verletzt hatte. Marie erschrak heftig, als plötzlich ein Fremder hinter einem Baum hervortrat. "Ich werde euch helfen", flüsterte er, als wüsste er, warum sie hier war. "Doch danach musst du mich vergessen."

Drei Wörter, ein Schreibimpuls. Heiler. Vergessen. Kunst. hat Martina heute vorgegeben. Wie immer habe ich genau 💯 Wörter in diese Szene verpackt.

Schreibschnuppe Nr. 16/2026

Wie Rauch stieg der Nebel aus der Schlucht und verdeckte ihre Sicht, als sie einen letzten Blick zurück warf in das Tal, aus dem sie herauf gestiegen war. Vermutlich war es besser so, denn es gab kein Zurück mehr.
Die Entscheidung war vor Stunden gefallen, als sie in der Dunkelheit des sehr frühen Morgens ihr Bündel unter dem Bett hervor gezerrt hatte. Dort lag es seit ein paar Wochen, versehen mit dem Nötigsten, was sie für einen Neuanfang brauchte. Sie war aufgestanden und hatte alles zurück gelassen, das Dorf, die Familie.
Die Morgensonne beleuchtete ihren Weg in ein neues Leben.

Der Schreibimpuls bei Martina lautete diese Woche Rauch, Entscheidung, letzter Blick.
Schreibt doch auch einmal mit. 💯 Wörter zusammen zu bekommen, ist gar nicht so schwer.

Schreibschnuppe Nr. 15/2026

Fieberhaft überlegte ich, wie ich das Wort Mistvieh in meine Geschichte einbauen könnte. Für das Sockenmonster, das bei mir nicht in der Waschmaschine, sondern unter dem Bett wohnt und dort meine einzelnen Socken verschlingt, erschien mir diese Bezeichnung zu hart. Überhaupt passt das Wort nicht in meinen Sprachgebrauch. Ich habe sogar ein recht gestörtes Verhältnis dazu. Vor Jahren hatte ich eine Kollegin, die ihre Katze als Miestvieh bezeichnete, obwohl sie das Tier gern hatte. Ich konnte damals nicht verstehen, wie sie so etwas sagen konnte und baute eine Abneigung gegen dieses Wort auf. Diese hat sich bis heute gehalten. 💯
Ich habe lange überlegt, wie ich diese 100 Wörter einsetzen könnte. Martinas Vorgabe waren die Wörter Fieber, Sockenmonster und Mistvieh. Mit letzterem hatte ich ein echtes Problem. Da ich nicht wusste, wie ich es in eine Geschichte einbauen sollte, schrieb ich meine 100 Wörter genau über dieses Problem.

Schreibschnuppe Nr. 14/2026

Kritisch betrachtete Prinzessin Gloria ihre Freundin Mathilde, ein Mädchen aus dem Dorf hinter dem Wald, mit dem sie sich heimlich traf. Wie schön sie war! Und wie glamourös dieses Kleid! Auch ihre Bewegungen waren zierlich und passten zu einer Dame der gehobenen Gesellschaft. Oh ja, sie würde auf dem Ball als Prinzessin aus einem fernen Königreich durchgehen. Niemand würde sie erkennen. Keiner würde misstrauisch werden. Dann konnte Mathilde Augen und Ohren offenhalten und herausfinden, was man gegen Gloria, die ungeliebte Stieftochter, im Schilde führte.
"Nur sprechen darfst du unter keinen Umständen", schärfte Gloria ihr ein, " denn Deine Sprache verrät dich"
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Der Schreibimpuls, den Martina heute vorgegeben hat, war der Satz Deine Sprache verrät dich.
Es macht unglaublichen Spaß, diese Minigeschichten zu schreiben.

Schreibschnuppe Nr. 13/2026

Lesecafé stand auf dem Schild über dem Eingang. Kleine runde Tische, auf denen die Kaffeetassen kaum Platz hatten, standen zwischen deckenhohen Regalen, vollgestopft mit Büchern.
Der dunkelhaarige Mann mit der Hakennase beugte sich zu seiner jüngeren Schwester und flüsterte: "Ich glaube nicht, dass du hier einen Einbrecher brauchst. Wenn du ein Buch haben möchtest, steck es einfach in deine Tasche. Das merkt hier kein Mensch."
Sie zeigte auf eine aufwändig gesicherte Vitrine, in der ein einzelnes Buch lag: "Ich will aber dieses!"
"Und was ist daran so besonders?"
"Das zeige ich dir, wenn ich es in den Händen habe!"

Martina hat auch heute einen Schreibimpuls veröffentlicht, der mich zu einem Drabble inspiriert hat, aus dem eine größere Geschichte werden könnte.
Was meint ihr? Was könnte es mit dem Buch auf sich haben? Weshalb will die Schwester es unbedingt in die Hände bekommen? Ich habe zwar Ideen, wie es weitergehen könnte, aber wenn ihr Lust habt, schreibt mir eure Gedanken zu diesem Drabble. Dann baue ich diese gern in die Geschichte ein.

Schreibschnuppe Nr. 12/2026

Es ist schon spät. Schlafenszeit. Doch Martina hat sich auch heute wieder die Mühe gemacht, einen Schreibimpuls zu veröffentlichen. Schrank, Bluse, Tinte Ich mag diese Schreibschnuppen sehr. Also habe ich auch heute eine geschrieben.
Sie schrieb emsig, hatte wenig Zeit dafür, denn sie wollte am Abend noch zu einer Krimilesung. Dafür hatte sie ihre weiße Seidenbluse schon aus dem Schrank geholt und neben dem Schreibtisch bereit gelegt. Dann hatte sie diese Szene "angesprungen" und sie musste sie niederschreiben, um sie nicht zu vergessen. Es war eine mittelalterliche Szene. Solche schrieb sie immer mit Tinte und Feder. Diese huschte eilig über das Papier. Da klingelte das Telefon. Erschrocken fuhr sie auf, riss dabei das Tintenfässchen um. Das dunkelblaue Nass ergoss sich über die weiße Seide. Vor ihren Augen färbte sich der Fleck blutrot. Ein Zeichen?

Schreibschnuppe Nr. 11/2026

Martina hat auch heute wieder einen Schreibimpuls veröffentlicht.
Ich fand, ein tatsächliches Erlebnis, das ich längst schon in einer Geschichte verarbeiten wollte, eignete sich gut für diesen Impuls.
Unter dem Vollmond warf die alte Kirche finstere Schatten. Das schmiedeeiserne Kirchhoftor quietsche leise, als sie es gerade weit genug öffnete, um hindurch zu schlüpfen. Ihre Rückkehr zu diesem geheimnisvollen Ort hatte sie sich anders vorgestellt. Nicht mitten in der Nacht. Doch nun war sie hier und schaute sich suchend um. Er hatte sie hergebeten, weil er ihre Hilfe brauchte. Doch wo war er? Hielt er sich hinter den alten Grabsteinen versteckt?
Aus dem Vorraum der Kirche fiel flackerndes Licht durch die Fenster. Zeichnete gespenstische Schatten. Der große alte Schlüssel steckte von außen. Ihre Hände zitterten, als sie ihn umdrehte.