Wie Rauch stieg der Nebel aus der Schlucht und verdeckte ihre Sicht, als sie einen letzten Blick zurück warf in das Tal, aus dem sie herauf gestiegen war. Vermutlich war es besser so, denn es gab kein Zurück mehr.
Die Entscheidung war vor Stunden gefallen, als sie in der Dunkelheit des sehr frühen Morgens ihr Bündel unter dem Bett hervor gezerrt hatte. Dort lag es seit ein paar Wochen, versehen mit dem Nötigsten, was sie für einen Neuanfang brauchte. Sie war aufgestanden und hatte alles zurück gelassen, das Dorf, die Familie.
Die Morgensonne beleuchtete ihren Weg in ein neues Leben.
Der Schreibimpuls bei Martina lautete diese Woche Rauch, Entscheidung, letzter Blick.
Schreibt doch auch einmal mit. 💯 Wörter zusammen zu bekommen, ist gar nicht so schwer.
Schlagwort: Schreibschnuppen
Schreibschnuppe Nr. 15/2026
Fieberhaft überlegte ich, wie ich das Wort Mistvieh in meine Geschichte einbauen könnte. Für das Sockenmonster, das bei mir nicht in der Waschmaschine, sondern unter dem Bett wohnt und dort meine einzelnen Socken verschlingt, erschien mir diese Bezeichnung zu hart. Überhaupt passt das Wort nicht in meinen Sprachgebrauch. Ich habe sogar ein recht gestörtes Verhältnis dazu. Vor Jahren hatte ich eine Kollegin, die ihre Katze als Miestvieh bezeichnete, obwohl sie das Tier gern hatte. Ich konnte damals nicht verstehen, wie sie so etwas sagen konnte und baute eine Abneigung gegen dieses Wort auf. Diese hat sich bis heute gehalten. 💯
Ich habe lange überlegt, wie ich diese 100 Wörter einsetzen könnte. Martinas Vorgabe waren die Wörter Fieber, Sockenmonster und Mistvieh. Mit letzterem hatte ich ein echtes Problem. Da ich nicht wusste, wie ich es in eine Geschichte einbauen sollte, schrieb ich meine 100 Wörter genau über dieses Problem.
Schreibschnuppe Nr. 14/2026
Kritisch betrachtete Prinzessin Gloria ihre Freundin Mathilde, ein Mädchen aus dem Dorf hinter dem Wald, mit dem sie sich heimlich traf. Wie schön sie war! Und wie glamourös dieses Kleid! Auch ihre Bewegungen waren zierlich und passten zu einer Dame der gehobenen Gesellschaft. Oh ja, sie würde auf dem Ball als Prinzessin aus einem fernen Königreich durchgehen. Niemand würde sie erkennen. Keiner würde misstrauisch werden. Dann konnte Mathilde Augen und Ohren offenhalten und herausfinden, was man gegen Gloria, die ungeliebte Stieftochter, im Schilde führte.
"Nur sprechen darfst du unter keinen Umständen", schärfte Gloria ihr ein, " denn Deine Sprache verrät dich" 💯
Der Schreibimpuls, den Martina heute vorgegeben hat, war der Satz Deine Sprache verrät dich.
Es macht unglaublichen Spaß, diese Minigeschichten zu schreiben.
Schreibschnuppe Nr. 13/2026
Lesecafé stand auf dem Schild über dem Eingang. Kleine runde Tische, auf denen die Kaffeetassen kaum Platz hatten, standen zwischen deckenhohen Regalen, vollgestopft mit Büchern.
Der dunkelhaarige Mann mit der Hakennase beugte sich zu seiner jüngeren Schwester und flüsterte: "Ich glaube nicht, dass du hier einen Einbrecher brauchst. Wenn du ein Buch haben möchtest, steck es einfach in deine Tasche. Das merkt hier kein Mensch."
Sie zeigte auf eine aufwändig gesicherte Vitrine, in der ein einzelnes Buch lag: "Ich will aber dieses!"
"Und was ist daran so besonders?"
"Das zeige ich dir, wenn ich es in den Händen habe!"
Martina hat auch heute einen Schreibimpuls veröffentlicht, der mich zu einem Drabble inspiriert hat, aus dem eine größere Geschichte werden könnte.
Was meint ihr? Was könnte es mit dem Buch auf sich haben? Weshalb will die Schwester es unbedingt in die Hände bekommen? Ich habe zwar Ideen, wie es weitergehen könnte, aber wenn ihr Lust habt, schreibt mir eure Gedanken zu diesem Drabble. Dann baue ich diese gern in die Geschichte ein.
Schreibschnuppe Nr. 12/2026
Es ist schon spät. Schlafenszeit. Doch Martina hat sich auch heute wieder die Mühe gemacht, einen Schreibimpuls zu veröffentlichen. Schrank, Bluse, Tinte Ich mag diese Schreibschnuppen sehr. Also habe ich auch heute eine geschrieben.
Sie schrieb emsig, hatte wenig Zeit dafür, denn sie wollte am Abend noch zu einer Krimilesung. Dafür hatte sie ihre weiße Seidenbluse schon aus dem Schrank geholt und neben dem Schreibtisch bereit gelegt. Dann hatte sie diese Szene "angesprungen" und sie musste sie niederschreiben, um sie nicht zu vergessen. Es war eine mittelalterliche Szene. Solche schrieb sie immer mit Tinte und Feder. Diese huschte eilig über das Papier. Da klingelte das Telefon. Erschrocken fuhr sie auf, riss dabei das Tintenfässchen um. Das dunkelblaue Nass ergoss sich über die weiße Seide. Vor ihren Augen färbte sich der Fleck blutrot. Ein Zeichen?
Schreibschnuppe Nr. 11/2026
Martina hat auch heute wieder einen Schreibimpuls veröffentlicht.
Ich fand, ein tatsächliches Erlebnis, das ich längst schon in einer Geschichte verarbeiten wollte, eignete sich gut für diesen Impuls.
Unter dem Vollmond warf die alte Kirche finstere Schatten. Das schmiedeeiserne Kirchhoftor quietsche leise, als sie es gerade weit genug öffnete, um hindurch zu schlüpfen. Ihre Rückkehr zu diesem geheimnisvollen Ort hatte sie sich anders vorgestellt. Nicht mitten in der Nacht. Doch nun war sie hier und schaute sich suchend um. Er hatte sie hergebeten, weil er ihre Hilfe brauchte. Doch wo war er? Hielt er sich hinter den alten Grabsteinen versteckt?
Aus dem Vorraum der Kirche fiel flackerndes Licht durch die Fenster. Zeichnete gespenstische Schatten. Der große alte Schlüssel steckte von außen. Ihre Hände zitterten, als sie ihn umdrehte.
Schreibschnuppe Nr. 10/2026
Blut! Daran gab’s keinen Zweifel! Es war bereits angetrocknet. Die Tropfen auf dem Boden hatten sich rostbraun verfärbt. In einer geraden Linie führten sie zur Haustür. Wer hatte sich hier verletzt? Und warum war derjenige zum Haus hinaus gegangen, statt zu ihr in die Küche zu kommen und sich verarzten zu lassen? War das vielleicht jemand, der besser gar nicht hier gewesen wäre? Ihr fiel der Fremde ein, der am frühen Abend hier geklopft hatte. Die Tochter des Hauses hatte ihn herein gebeten und war mit ihm in den Salon gegangen. Was war danach geschehen? Und wo war er jetzt?
Wie schön, es gibt wieder eine Schreibschnuppe bei Martina. Ganz schnell habe ich den Text geschrieben. Auch diesmal könnte er als Anfang einer neuen Geschichte dienen. Derzeit habe ich keine Muße, aber in ein paar Tagen oder Wochen könnte ich mich da mal dran setzen. Ich bin jetzt schon gespannt, was daraus entsteht.
Schreibschnuppe Nr. 7/2026
Mit einem Lächeln, süß wie Honig schaute der Herzog auf sie herab. Sie kniete am Boden, verzweifelt, weil dieser Widerling so viel Macht über sie hatte. In der Hand drehte er die alte Pergamentrolle, die ihrer Urgroßmutter gehört hatte und nun in ihrem Besitz sein sollte. Der gierige Herzog hatte sie an sich gebracht. Nun konnte er die junge Frau seinem Willen unterwerfen.
Wie kam sie nur wieder an das Pergament mit den mächtigen Runen ihrer Familie? Sie duckte sich klein zusammen, wog ihn in Sicherheit. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen, sprang auf und entriss ihm die Rolle. 💯
Martinas Schreibimpuls in dieser Woche hieß Pergament – Mut – Honig
Ich bin spät dran, weil die Tage wirbelig waren. So nahm ich mir nicht die Ruhe, einmal 15 Minuten nur an die 100 Wörter zu denken. Jetzt habe ich das Drabble doch fertig gebracht und verlinke es bei Martina.
Schreibschnuppe Nr. 6/26
Bei Martina gab es heute für die 6. Schreibschnuppe in diesem Jahr den Schreibimpuls Regenschirm – Katze – Tee
Ich saß auf den Terrasse und trank Tee. Die Katze schnurrte um meine Beine. Ich träumte vor mich hin, da entdeckte ich auf dem Rasen zwischen den Büschen etwas Buntes. Beim genaueren Hinsehen erkannte ich einen Regenschirm in Regenbogenfarben. Der Wind hatte ihn jemandem entrissen und in unseren Garten geweht. Ich ging hin, um ihn zu holen. Dabei drehte ich ihn gedankenverloren in meiner Hand, bis die einzelnen Farben verschwammen. Immer schneller drehte ich den Schirm, dass mir ganz schwindelig wurde. Und plötzlich fand ich mich auf einer Waldlichtung wieder. Das Haus war verschwunden. Nur die Katze war noch da. 💯
Schreibschnuppe Nr. 5/26
Der Raum lag im Halbdunkel. Nur um den Tisch mit dem Schachspiel brannten ein paar Fackeln und spendeten etwas Licht. Jacob von Lau grübelte und rechnete, denn er musste dieses Spiel unbedingt gewinnen. Davon hing seine Freiheit, vielleicht sogar sein Leben ab. Wie konnte er sich nur auf diesen Handel einlassen? Burgherr Kuno von Walden hatte angeboten, ihm seine Abgaben zu erlassen, sollte Jacob ihn im Schachspiel besiegen. Sollte er jedoch verlieren, müsse er nicht nur die Abgaben leisten, sondern man würde ihn unbarmherzig in den Kerker werfen. Was weiter mit ihm geschah, konnte niemand sagen. Er musste also gewinnen!
Das ist der Text, der als 5. Schreibschnuppe in diesem Jahr entstand. Martina hatte diesmal den Schreibimpuls Raum – Schach – unbarmherzig gegeben. Ich weiß nicht, warum, in der letzten Zeit drängen sich mir immer Fantasy-Texte auf. 100-Wort-Schnipsel, die Episoden größerer Geschichten sein könnten. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, einmal mehr daraus zu zaubern. Momentan habe ich die Muße nicht. Zu viel stürmt auf mich ein. Aber bald, recht bald könnte ich dafür Zeit haben. Wobei… wie ich mich kenne, kommt dann wahrscheinlich gleich der nächste Sturm auf mich zu. Ach wäre ich doch schon am Meer.