Schreibschnuppe Nr. 22

Diese Woche gefiel mir Martinas Schreibimpuls besonders gut. Mit ein wenig Tüftelei hätte ich die drei Worte Fenster, Stille und Erinnerung vielleicht sogar in einem einzigen Satz unterbringen können. Dennoch habe ich mich mit der Umsetzung als Drabble schwer getan. Doch nun ist es endlich fertig.

Sie öffnete das Fenster, sog tief die frische Waldluft ein, die in die Stube wehte. Diese tat ihr genauso gut wie die Stille, die sie umgab. Kein Autolärm, keine laute Musik, keine geschwätzigen Menschen, keine schrillenden Telefone. Nur das sanfte Flüstern des Windes im Laub der Bäume. Hier konnte sie zur Ruhe kommen, konnte sich auf sich selbst besinnen. Auf ihre Wünsche, ihre Träume. Der Duft nach Fichten und Moos drang zu ihr und brachte auch den Geruch von Harz und Wildblumen mit sich. Hier war sie glücklich.
Alle Hektik und aller Stress waren nur noch eine ferne, verblassende Erinnerung.

Schreibschnuppe Nr. 21

Da ist sie ja, die Schreibschnuppe für diese Woche.
Danke Martina, dass du sie doch noch zur Verfügung gestellt hast. Hoffentlich geht es dir bald wieder gut.
Der Impuls hieß: Frost, Funke, fühlen
Mitten in der Nacht war sie aus dem Haus gelaufen. Nur fort wollte sie aus der bedrückenden Enge ihres Alltags. Fort von den Sorgen, die ihren Lebensmut erstickten. Und nun? Nun biss der Frost in ihre Finger, ihre Zehen. Trotzdem lief sie weiter. Ein Zurück würde es nicht geben! Ohne zu wissen, wohin, stolperte sie vorwärts, bis sie eine leerstehende Hütte im Wald erreichte. Hier fand sie Schutz vor dem kalten Wind. Jemand hatte Holz neben der Feuerstelle aufgeschichtet. Als der erste Funke aus ihrem Feuerzeug auf die trockene Rinde übersprang, fühlte sie sich geborgen. Die Sorgen zählten nicht mehr.
100 Wörter, wie immer.

Schreibschnuppe Nr. 20

Bei Martina gab es auch in dieser Woche wieder die Schreibschnuppenchallenge. Einen Anfangssatz gab es als Schreibimpuls. Gern hätte ich etwas magisches mystische geschrieben, aber der Text machte ein wenig, was er wollte und dann waren die 100 Wörter schon verbraucht.
Meine Großmutter kannte sich aus mit dem Tod. Zu Großvaters Füßen hatte er gestanden, als dieser noch ein junger Mann war. Die Großmutter musste ihn gehen lassen. Zu der hundertjährigen Amalias Häupten hatte sie ihn stehen sehen und verabreichte ihr ein Kraut, das sie wieder genesen ließ. Vom Tod hieß es, er sei gerecht, weil er jeden ereile, egal ob arm oder reich. Keiner könne sich von ihm freikaufen. Doch Großmutter wusste es besser. Auch der Tod ist ungerecht, allein durch den Zeitpunkt, wann er die Menschen heimsucht. Großmutter würde ihn zu gern überlisten. Doch wie sollte sie das anstellen?
Genau 100 Wörter.

Schreibschnuppe Nr. 19

Da ist er ja, der Schreibimpuls Nr. 19. Ich freue mich, dass Martina immer wieder daran denkt, auch wenn sie viel um die Ohren hat. Es macht Spaß, die Drabbles zu schreiben.

Sie erwachte. Ihr Bett schien zu schwanken. Was war das? Sie lauschte mit geschlossenen Augen. Dann wusste sie, woher das Schwanken kam. Mit ungestümer Energie rüttelte der Sturmwind an ihrem Wohnwagen. War er genug gesichert? Würden die Befestigungen halten? Unruhig stand sie auf, lief im Wagen hin und her. Was konnte sie tun? Hinaus gehen und nach dem Rechten sehen, schien keine gute Idee. Es war mitten in der Nacht. Sie würde ohnehin nichts sehen. Da spürte sie etwas Weiches an ihren nackten Beinen. Die graue Katze strich um ihre Füße und begann zu schnurren. Das bedeutete, alles war gut.

Schreibschnuppe Nr. 18

Wie jede Woche gab es bei Martina einen Schreibimpuls innerhalb der Schreibschnuppenchallenge. Wie immer bestand die Aufgabe darin, diesen Impuls in ein Drabble {also einen Text mit genau 100 Wörtern} einzubauen. Als Anfangssatz war mir der Impuls zu lang, deshalb habe ich ihn als Abschluss genutzt.
So hatte ich mir unsere Begegnung nicht vorgestellt. Aber wie dann? Glaubte ich wirklich, sie würde sich freuen, mich zu sehen? Ich hatte gehofft, wir könnten über alte Zeiten schwatzen oder darüber, was uns in all den Jahren widerfahren war, in denen wir keinen Kontakt zueinander hatten. Ich hatte mich auf dieses Treffen gefreut. Als ich ihr verkniffenes Gesicht sah, zerstob meine Freude, meine Neugier auf sie. Sie zeterte, was ich mir einbilde, was ich ihr angetan hätte. Ihre Vorwürfe wurden immer lauter. Nun dröhnen in mir
die heftigsten Kopfschmerzen meines Lebens… nicht mal nach Silvester war es so schlimm.

Die Drabbles sind mir inzwischen lieb geworden. In der Form wie heute schreibe ich Geschichten jedoch selten, weil ich Ich-Erzähler nicht sonderlich mag. Dieser hier war in meiner Vorstellung übrigens männlich. Warum auch immer.

Schreibschnuppe Nr. 17

Einen Impuls gab es auch diese Woche in Martinas Schreibschnuppenchallenge
Sie war nicht wirklich schön zu nennen, doch sie verströmte Herzlichkeit und Wärme. Genau das schätzten die Besucher des kleinen Ladens, der weit mehr war, als ein Handarbeitsgeschäft. Hier kam man nicht nur her, um Garne zu kaufen. Hier traf man sich auf einen Plausch und nicht selten auf eine Tasse Tee oder gar ein Gläschen Sekt. So manchen Rat konnte man sich holen und auch dies nicht nur in Bezug auf Stricken oder Wolle kaufen. Und dann war da noch das junge Mädchen, das sich aufwärmte und sich auf der Toilette frisch machte. Ob sie auf der Straße lebte?

Wie immer genau 100 Wörter

Schreibschnuppe Nr. 16

Wie schön, gestern gab es bei Martina wieder einen Impuls für eine Schreibschnuppe. Die Nr. 15 mussten wir überspringen, weil es Martina nicht so gut ging. Zum Glück {das hoffe ich zumindest} geht es ihr wieder besser.
Der Impuls hieß: Abschied, schwer, Schaf

Die Sonne versank hinter dem Kiefernwald im Westen. Lange Schatten breiteten sich über die Wiesen. Ein verirrtes Schaf blökte laut. Sogleich kam der Hütehund angelaufen und drängte das Tier zurück in Richtung Herde. Versonnen stand die junge Frau auf dem sandigen Weg, der durch die Weiden führte und beobachtete die abendliche Szene. Der Wind, der mit ihren Haaren spielte, trug den Geruch nach Salz und Tang vom Meer herüber.
Morgen schon würde sie von anderen Gerüchen umgeben sein, vom Lärm und den bunten Lichtern der Großstadt. Der Abschied von der See fiel ihr schwer, doch ihr Urlaub war zu Ende.

Genau 100 Wörter.
Hach, schön.

Schreibschnuppe Nr. 1

Martina begann ihre Schreibschnuppenchallenge mit dem Schreibimpuls Elisabeth saß auf der breiten Bank des hohen, tief in die Wand eingelassenen Fensters, die Knie bis an das Kinn gezogen und schaute in den dämmerigen Morgen hinaus.
Noch reichte der Blick nicht weit hinaus ins Land. Er war mehr nach innen gerichtet, wo Erinnerungen auftauchten an einen ebensolchen Morgen, als der Liebste hinausgezogen war in die Ferne, begleitet von einem Trupp befreundeter Ritter, gewappnet, geharnischt und bis an die Zähne bewaffnet. Über ein Jahr waren sie schon fort und seit Monaten war keine Kunde mehr von ihnen gekommen. Das letzte Mal hatte sie im goldenen Herbst etwas von ihnen gehört. Nun zog der Frühling ins Land. Ob sie wohl noch lebten? Da blitze etwas zwischen den Hügeln im ersten Morgenlicht. Sonnenstrahlen auf glänzender Rüstung. Sie waren zurück!
Genau 100 Worte + die 28 aus dem Einleitungssatz.
Es war Martinas erster Schreibimpuls und weil ich diesen damals nicht verarbeitet hatte, habe ich das heute nachgeholt.

Schreibschnuppe Nr. 14

Der Schreibimpuls in dieser Woche hieß: rascheln, golden, Knopfloch
Und hier findet ihr meine 100 Wörter
Im grauen Morgennebel hastete ich durch den Stadtpark, nichts anderes im Sinn, als zur Arbeit zu kommen. Die Gedanken daran quälten mich.
Da raschelte es im trockenen Laub neben meinem Weg. Eine Maus? Ein Igel? Nein, aus den Blättern, die den Weg säumten, kroch ein Männlein hervor. Es reichte mir knapp bis zum Knie, trug einen samtigen braunen Anzug. Im obersten Knopfloch seines Jacketts steckte ein Sträußchen buntgefärbter Blätter. "Renn doch nicht so achtlos durch die Natur", sprach es. "Schau nur, wie schön der Herbst ist." Verblüfft blieb ich stehen und plötzlich brach golden ein Sonnenstrahl durch den Nebel. Herbstzauber!

Ich hoffe, meine Schreibschnuppe gefällt euch.

Schreibschnuppe Nr. 13

Auch heute gibt es bei Martina wieder einen Schreibimpuls, den ich diesmal sofort umgesetzt habe, ohne lang nachzudenken. Das tat gut.

Sie hatte es nicht wahr haben wollen, doch nun sah sie es mit eigenen Augen. Er hatte eine neue Freundin! Warum sonst sollte er mit dieser jungen Frau im Café sitzen, Händchen halten und sie verliebt anschauen?
In den letzten Wochen war er ihr gegenüber immer zurückhaltender geworden. Er hatte häufig Treffen abgesagt und immer seltener Zeit für sie gehabt. So mochte sie selbst diese Beziehung nicht mehr haben. Nur, dass er mit der Neuen in ihrem Lieblingscafé saß, machte sie zornig. Deshalb wollte sie sich ein letztes Mal mit ihm treffen und ihm sagen, was sie von ihm hielt.

Genau 100 Worte.