Drabble am Dienstag {14.04.2026}

"Tirilli tirilla", trällerte das Rotkehlchen. Es saß hoch über der Wiese auf einem blühenden Apfelzweig und ließ seine Stimme weithin über das Land schallen.
Das Mäuschen kam herbei und wippte aufgeregt auf einem dicken Grashalm.
Vater Rehbock, der mit Ricke und Kitz unterwegs war zum Waldrand, blieb neugierig stehen, während der alte Iltis mit großen Schritten über die Wiese geflitzt kam, um herauszufinden, was das kleine Rotkehlchen zu solch überschwänglichem Gesang bewog.
"Es ist Frühling", sang das Kehlchen begeistert. "Lasst uns feiern und fröhlich sein."
Die blauen Glockenblumen ließen ein silberhelles Läuten hören. Die Osterglocken fielen mit tieferem Glockenton ein.

Das ist meine Geschichte zu Jürgens Bild für das Dienstags-Drabble.

Drabble am Dienstag {31.03.2026}

Bei Jürgen in der Wortgarage gibt es wieder ein Bild als Inspiration zu einem Drabble.
Die Frühlingsfee sitzt auf dem Zacken eines Sterns. Über ihr strahlt der Vollmond. Hinter ihr steht der alte Winter, der sein eisglitzerndes Kleid längst verloren hat. Am liebsten würde er die Fee von ihrem Hocker stoßen, doch dafür ist er zu kraftlos, auch wenn die Fee noch nicht wirklich bei Kräften ist. Das wird sich bald ändern. Eine Prozession nahmhafter Insekten bringt der Fee Geschenke und jede Menge Leckereien, an denen sie sich laben kann. Das Grillenorchester hat sich in einem leeren Vogelnest versammelt und spielt Frühlingslieder. Nicht mehr lange, dann wird die Fee überall Blätter und Blüten sprießen lassen. 💯

Schreibschnuppe Nr. 13/2026

Lesecafé stand auf dem Schild über dem Eingang. Kleine runde Tische, auf denen die Kaffeetassen kaum Platz hatten, standen zwischen deckenhohen Regalen, vollgestopft mit Büchern.
Der dunkelhaarige Mann mit der Hakennase beugte sich zu seiner jüngeren Schwester und flüsterte: "Ich glaube nicht, dass du hier einen Einbrecher brauchst. Wenn du ein Buch haben möchtest, steck es einfach in deine Tasche. Das merkt hier kein Mensch."
Sie zeigte auf eine aufwändig gesicherte Vitrine, in der ein einzelnes Buch lag: "Ich will aber dieses!"
"Und was ist daran so besonders?"
"Das zeige ich dir, wenn ich es in den Händen habe!"

Martina hat auch heute einen Schreibimpuls veröffentlicht, der mich zu einem Drabble inspiriert hat, aus dem eine größere Geschichte werden könnte.
Was meint ihr? Was könnte es mit dem Buch auf sich haben? Weshalb will die Schwester es unbedingt in die Hände bekommen? Ich habe zwar Ideen, wie es weitergehen könnte, aber wenn ihr Lust habt, schreibt mir eure Gedanken zu diesem Drabble. Dann baue ich diese gern in die Geschichte ein.

Drabble am Dienstag {17.03.2026}

Auch in dieser Woche hat der Jürgen wieder ein Bild veröffentlicht, zu dem man ein Drabble mit exakt 100 Wörten schreiben soll. Hier ist meine Idee:
Sie konnte nicht schlafen. Die Nacht schlich heran und sie war erschöpft vom Tag. Wenn sie im Sessel saß und las, fielen ihr die Augen zu. Doch sobald sie sich in ihr Bett kuschelte, klappten ihre Augen wieder auf, an Schlaf war nicht zu denken.
So zog sie ihr feines nachtblaues Kleid an und ging hinaus in der Garten. Dort stand unter hohen, alten Bäumen eine Bank. "Hier will ich mich niederlassen", dachte sie "und auf die Traumfee warten, damit ich bei ihr einen süßen Traum bestellen kann. Fünf Minuten nur, mehr braucht es nicht." Und schon war sie eingeschlafen.
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Venedig 💯

Es ist Nacht in Venedig. Der Karneval hat die Stadt verwandelt. Das bunte Treiben dauert bis in die späten Abendstunden. Doch jetzt ist alles still. Ein seltsamer Zauber liegt über der Stadt. In den alten Palästen lauern die Schatten. Manche stehen seit Jahren leer.
Meine Gondel gleitet durch die schmalen Kanäle und hinaus auf den Canale Grande. Der Palazzo Dario mit seiner asymmetrischen Fassade ist mir unheimlich. Ich lasse ihn links liegen und biege in einen schmalen Kanal ein. Das Gefühl, beobachtet zu werden, lässt mich nicht los. Und dann steht sie da auf der kleinen Brücke. Die maskierte Gestalt.
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Okay, es ist ein seltsames Drabble. Es ist aber auch ein seltsames Bild, das Jürgen für sein Fastnacht-Drabble ausgesucht hat. Masken haben für mich schon immer etwas sehr mystisches. Ich könnte unzählige Geschichten darum ranken und alle wären ein wenig seltsam. Das muss so.

Schreibschnuppe Nr. 7/2026

Mit einem Lächeln, süß wie Honig schaute der Herzog auf sie herab. Sie kniete am Boden, verzweifelt, weil dieser Widerling so viel Macht über sie hatte. In der Hand drehte er die alte Pergamentrolle, die ihrer Urgroßmutter gehört hatte und nun in ihrem Besitz sein sollte. Der gierige Herzog hatte sie an sich gebracht. Nun konnte er die junge Frau seinem Willen unterwerfen.
Wie kam sie nur wieder an das Pergament mit den mächtigen Runen ihrer Familie? Sie duckte sich klein zusammen, wog ihn in Sicherheit. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen, sprang auf und entriss ihm die Rolle.
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Martinas Schreibimpuls in dieser Woche hieß Pergament – Mut – Honig
Ich bin spät dran, weil die Tage wirbelig waren. So nahm ich mir nicht die Ruhe, einmal 15 Minuten nur an die 100 Wörter zu denken. Jetzt habe ich das Drabble doch fertig gebracht und verlinke es bei Martina.

Wunschzeit 💯 + 💯 + 💯

Da hat doch der Jürgen ein 300-Wort-Drabble geschrieben. Ich habe nachgelesen. Das geht. Man kann Drabbles auch schreiben, mit einem Vielfachen von 100 Wörtern. Und weil Jürgen sich darin auf sein Dienstag-Drabble mit der Katze bezog, habe ich zu Schreibschnuppe Nr. 6 und Dienstags-Drabble nun noch eine Fortsetzung geschrieben.

"Es ist Wunschzeit": sagte eine freundliche Stimme neben mir.
Eine Weile hatten wir ganz still auf der Schaukel gesessen. Nur die Katze und ich. Und der Mond. Woher kam jetzt auf einmal diese Stimme? Suchend schaute ich mich um. Aber da war niemand. Nur die Katze und ich. Und der Mond.
"Wenn der Mond so groß und rund ist und die Sterne so zart glitzern und wir gemeinsam auf einer Schaukel sitzen, dann ist Wunschzeit."
Ich starrte die Katze an. "Has…hast du gerade etwas gesagt?"
Die Katze schmunzelte. Und dann: "Ich. Sagte. Es. Ist. Wunschzeit!" Jedes einzelne Wort betont.
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. "Wieso kannst du sprechen?"
"Ich habe es mir gewünscht!"

"Kann ich mir auch etwas wünschen?"
"Komm mit!"
Elegant sprang die Katze von der Schaukel und trippelte über die Wiese. Sie sah sich nach mir um, dann flitzte sie weiter, bis sie das Ufer eines Sees erreichte. Das Wasser glitzerte silbern im Mondlicht. Am Ufer wuchsen Pilze, die in Neonfarben leuchteten. Ein Stück im Wasser stand ein hölzerner Ausguck.
"Von dort aus gelingen die Wünsche am besten," flüsterte die Katze. Ich lief auf die Plattform zu und wunderte mich nicht im Geringsten, dass meine Füße trocken blieben, als ich in den See hinein watete.
"Überlege dir gut, was du dir wünschst," rief die Katze mir nach und blieb am Ufer zurück.
Da stand ich nun, blickte über den nächtlichen See und grübelte, was ich mir wünschen sollte. Hier in dieser seltsamen Traumwelt war alles so schön, so leicht. Kein Ärger, keine Sorgen.
Ich wünschte, dass ich immer, wenn mein Alltag mir zu stressig würde, hierher zurückkehren könnte.
Das Wasser funkelte in allen Neonfarben. Mir wurde schwummerig.
Dann stand ich auf der Wiese vor meinem Haus. An einem kahlen Baum hing eine Schaukel und schwang sanft im Wind.

Drabble am Dienstag 💯

Ein Experiment
Am vergangenen Mittwoch gab Martina für die 6. Schreibschnuppe in diesem Jahr den Schreibimpuls Regenschirm – Katze – Tee. Den setzte ich in einer Geschichte mit mystischer Wendung um. Dann veröffentlichte Jürgen sein Bild für das Dienstags-Drabble. Ich fand, das passte hervorragend zu meiner Schreibschnuppe, so dass ich eine interdisziplinäre Fortsetzung schrieb.

Was war das für eine seltsame Situation, in der ich mich plötzlich befand? Wo war ich hin geraten? Bevor ich begreifen konnte, was geschehen war, senkte sich schon der Abend über die Lichtung. An einem kahlen Baum, unter dem die ersten Osterglocken ihre Knospen in den dunklen Himmel reckten, hing eine Schaukel. Die Katze hatte sie zuerst entdeckt und sprang hinauf. Ich gesellte mich zu ihr und stellte eine kleine Laterne zwischen uns auf. Sie leuchtete in sanftem Grün mit dem dicken gelben Mond um die Wette. Rings um uns begannen tausende Sterne zu glitzern. Die Katze schwieg. Ich auch! 💯

Fortsetzung

Schreibschnuppe Nr. 6/26

Bei Martina gab es heute für die 6. Schreibschnuppe in diesem Jahr den Schreibimpuls Regenschirm – Katze – Tee

Ich saß auf den Terrasse und trank Tee. Die Katze schnurrte um meine Beine. Ich träumte vor mich hin, da entdeckte ich auf dem Rasen zwischen den Büschen etwas Buntes. Beim genaueren Hinsehen erkannte ich einen Regenschirm in Regenbogenfarben. Der Wind hatte ihn jemandem entrissen und in unseren Garten geweht. Ich ging hin, um ihn zu holen. Dabei drehte ich ihn gedankenverloren in meiner Hand, bis die einzelnen Farben verschwammen. Immer schneller drehte ich den Schirm, dass mir ganz schwindelig wurde. Und plötzlich fand ich mich auf einer Waldlichtung wieder. Das Haus war verschwunden. Nur die Katze war noch da. 💯

Fortsetzung

Drabble am Dienstag 💯

Huch, es schneit. Und ich habe kein Nest, um mich einzukuscheln. Also schnell einmal die roten Federn blustern, damit mein Kehlchen warm bleibt. Ah, was ist denn das da? Ein Berg aus dunkler Wolle. Heißa, da kann ich es mir gemütlich machen. Huch, das schaukelt ja. Warum schaukelt denn dieses Nest?

Ah, es schneit. Da will ich mal meine Nase in die Flocken halten. Ich habe so viele Locken, dass sie meinen Kopf warm halten. Nanu. Wer kommt denn da? Ein süßes kleines Rotkehlchen. Es setzt sich doch geradewegs auf meinen Kopf. Still halten, damit es nicht wieder fort fliegt.
Es sind wieder genau 💯 Wörter. Dieses Drabble verlinke ich nun bei Jürgen in der Wortgarage. Bei ihm habe ich mir auch die 💯 gemopst.
Übrigens, wer Lust hat, auch mal eine kleine Geschichte zum Bild zu schreiben, darf sehr gern meinem Link folgen und bei Jürgen auch ein Drabble hinterlassen. Und wer sich mit Drabble schwer tut {Anfangs hatte auch so meine Probleme mit genau 100 Wörtern}, der schreibt eben eine andere kleine Geschichte, egal mit wieviel Wörtern. Hauptsache, ihr schreibt. ♛