Schreibschnuppe Nr. 24/2026

Ich freue mich sehr, dass Martina gestern Abend einen neuen Schreibimpuls veröffentlichen konnte. Bei Vogel, Jäger, singen bot es sich an, über eine Katze zu schreiben. Da aber Martina selbst einen solchen Text geschrieben hatte, wollte ich mal etwas ganz anderes ausprobieren und wich damit auch von meinen sonstigen, märchenhaften Geschichten ab.

Ahnungslos schlenderte Matteo Conti durch die Straßen von Mailand. Auf einer kleinen Piazza setzte er sich an einen der Tische, die vor dem Eiscafé auf dem Gehsteig standen. Den Jäger, der ihm in einigem Abstand folgte, bemerkte er nicht. Als er plötzlich auf der Brusttasche seines Hemdes einen roten Punkt entdeckte, war es zu spät. Im nächsten Moment sank er lautlos über seinem Espresso zusammen. Ein Fremder entfernte sich unauffällig.
In der Villa de Benedetti läutete ein Telefon.
Der weißhaarige Hausherr lauschte und lächelte. Dann winkte er seinen Großneffen heran. "Sorge dafür, dass auch dieser Vogel nicht mehr singen kann."
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Drabble am Dienstag – 09. Juni 2026


Sie hörte schnelle Schritte auf das Zelt zukommen. Er war zurück! Doch statt sie, wie erhofft, mit exotischen Früchten zu verwöhnen, griff er nach ihrer Hand, zog sie halb aus dem Zelt und rief: "Komm schnell! Das musst du dir anschauen!"
Sie folgte ihm auf dem gewundenen Pfad durch den Dschungel bis an eine tiefe Schlucht. Es gab keine Brücke. Nur ein schmales Brett lag über dem Spalt.
"Komm", drängte er, "es lohnt sich!"
Vorsichtig, Schritt für Schritt, wagte sie sich hinüber.
Und dann sah sie ihn. Von Schlingpflanzen überwuchtert, verziert mit uralten Gravuren, erhob sich vor ihr ein Monolith.

Nun gibt es hier doch wieder ein Dienstagsdrabble. Der Schreibimpuls stammt von Wortman. Ich hoffe, dass mir dieses Mal die Verlinkung gelingt. Ob mein Text dort Anklang findet, bezweifle ich, denn die Leute, die dort mitschreiben, kreieren völlig andere Texte, oft Dialoge. Ihr Stil ist wollkommen anders als meiner. Na, schau’n mer mal.

Gedichte und Sprüche

Elfchen des Tages
Drohend
Dunkle Wolkenberge
Wind frischt auf
Regen prasselt, Blitze zucken
Donnergrollen

Ein alter Spruch
Da zieht ein böses Wetter auf
Die Wolken türmen sich zu Hauf
Es regnet ohne Unterlass
Und Hirt und Herde werden nass
Dann ist das Wetter wieder schön
Die Herde kann spazieren gehn
Eine frommer Hirte steht dabei
Und spielt so schön auf der Schalmei
Da zieht ein böses Wetter auf…

Schreibschnuppe Nr. 19/2026

Da ist er ja, Martinas Schreibimpuls.
Frieden, Hausschuh, klauen hieß er diese Woche. Ich bin überzeugt, dass auch hier, wie in verschiedenen anderen Aktionen Um die Ecke denken erlaubt ist. So habe ich das Wort "klauen", das von Martina im Sinne von "stehlen" gemeint war, einfach umfunktioniert, indem ich es groß geschrieben habe.
Die Nacht senkt sich über den Wald. Die Finsternis hält mich fest in ihren Klauen, sendet Schatten und Ängste und böse Träume. Gehetzt jage ich hindurch zwischen uralten Bäumen und dornigem Gebüsch. Ich flüchte. Wovor? Wohin?
Da! Die Lichtung im silbernen Mondlicht. An deren Rand im Schatten die kleine Hütte. Schwer atmend komme ich dort an. Reiße die Tür auf, taumle mit letzter Kraft hinein. Drinnen brennt ein wärmendes Feuer. Hausschuh aus Filz stehen bereit. Ich schlüpfe hinein. Sinke in den Ohrensessel und ziehe die gestrickte Decke über meine Schultern. Mit warmen Füßen und warmen Schultern finde ich meinen Frieden.
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Schreibschnuppe Nr. 18/2026

Während die Sonne ihr Blut über den Horizont ergoss, strömten Frauen zu hunderten in schweigender Prozession auf den Blocksberg. Sie versammelten sich an der riesigen Feuerstelle. Eine von ihnen, eine hochgewachsene, hagere Person, ganz in schwarz gewandet, trat an den aufgeschichteten Scheiterhaufen und entzündete die Flammen.
Der Himmel verdunkelte sich, Wind brauste auf. Funken stoben in alle Richtungen. Aus tausend Kehlen erklang Gesang. Busineskostüme wurden zu wallenden Gewändern in purpur, schwarz und violett. Nasen wurden lang und spitz. Strenge Frisuren lösten sich auf zu wilden Mähnen unter spitzen Hüten. Mancher Rücken krümmte sich zu einem Buckel.
Die Verwandlung hatte begonnen.

Gestern war es schon spät, als ich mir bei Martina den Schreibimpuls Horizont Funke Verwandlung abholte. Sofort hatte ich Bilder im Kopf, niedergeschrieben habe ich das Drabble dann erst heute Morgen. Da wollte es unbedingt hinaus in die Welt. Und weil heute Walpurgisnacht ist, die ihren Ursprung im keltischen Fest Beltane hat, habe ich euch noch ein Lied mitgebracht.

Schreibschnuppe Nr. 17/2026

Von Sorgen getrieben hastete Marie durch den Wald. Sie stolperte über Wurzeln. Tiefhängende Äste verfingen sich in ihrem Haar. Dornen zerkratzten ihr Arme und Gesicht. Sie bemerkte kaum etwas von alledem. Sie hatte nur eines im Sinn: Sie musste den Heiler finden, der einsam irgendwo hier im Wald lebte. Ohne dessen Kunst wäre Johann verloren, nachdem er während ihrer Flucht in diese Fallgrube gestürzt war und sich schwer verletzt hatte. Marie erschrak heftig, als plötzlich ein Fremder hinter einem Baum hervortrat. "Ich werde euch helfen", flüsterte er, als wüsste er, warum sie hier war. "Doch danach musst du mich vergessen."

Drei Wörter, ein Schreibimpuls. Heiler. Vergessen. Kunst. hat Martina heute vorgegeben. Wie immer habe ich genau 💯 Wörter in diese Szene verpackt.

Drabble am Dienstag {14.04.2026}


"Tirilli tirilla", trällerte das Rotkehlchen. Es saß hoch über der Wiese auf einem blühenden Apfelzweig und ließ seine Stimme weithin über das Land schallen.
Das Mäuschen kam herbei und wippte aufgeregt auf einem dicken Grashalm.
Vater Rehbock, der mit Ricke und Kitz unterwegs war zum Waldrand, blieb neugierig stehen, während der alte Iltis mit großen Schritten über die Wiese geflitzt kam, um herauszufinden, was das kleine Rotkehlchen zu solch überschwänglichem Gesang bewog.
"Es ist Frühling", sang das Kehlchen begeistert. "Lasst uns feiern und fröhlich sein."
Die blauen Glockenblumen ließen ein silberhelles Läuten hören. Die Osterglocken fielen mit tieferem Glockenton ein.

Das ist meine Geschichte zu Jürgens Bild für das Dienstags-Drabble.

Drabble am Dienstag {31.03.2026}

Bei Jürgen in der Wortgarage gibt es wieder ein Bild als Inspiration zu einem Drabble.
Die Frühlingsfee sitzt auf dem Zacken eines Sterns. Über ihr strahlt der Vollmond. Hinter ihr steht der alte Winter, der sein eisglitzerndes Kleid längst verloren hat. Am liebsten würde er die Fee von ihrem Hocker stoßen, doch dafür ist er zu kraftlos, auch wenn die Fee noch nicht wirklich bei Kräften ist. Das wird sich bald ändern. Eine Prozession nahmhafter Insekten bringt der Fee Geschenke und jede Menge Leckereien, an denen sie sich laben kann. Das Grillenorchester hat sich in einem leeren Vogelnest versammelt und spielt Frühlingslieder. Nicht mehr lange, dann wird die Fee überall Blätter und Blüten sprießen lassen. 💯

Schreibschnuppe Nr. 13/2026

Lesecafé stand auf dem Schild über dem Eingang. Kleine runde Tische, auf denen die Kaffeetassen kaum Platz hatten, standen zwischen deckenhohen Regalen, vollgestopft mit Büchern.
Der dunkelhaarige Mann mit der Hakennase beugte sich zu seiner jüngeren Schwester und flüsterte: "Ich glaube nicht, dass du hier einen Einbrecher brauchst. Wenn du ein Buch haben möchtest, steck es einfach in deine Tasche. Das merkt hier kein Mensch."
Sie zeigte auf eine aufwändig gesicherte Vitrine, in der ein einzelnes Buch lag: "Ich will aber dieses!"
"Und was ist daran so besonders?"
"Das zeige ich dir, wenn ich es in den Händen habe!"

Martina hat auch heute einen Schreibimpuls veröffentlicht, der mich zu einem Drabble inspiriert hat, aus dem eine größere Geschichte werden könnte.
Was meint ihr? Was könnte es mit dem Buch auf sich haben? Weshalb will die Schwester es unbedingt in die Hände bekommen? Ich habe zwar Ideen, wie es weitergehen könnte, aber wenn ihr Lust habt, schreibt mir eure Gedanken zu diesem Drabble. Dann baue ich diese gern in die Geschichte ein.

Drabble am Dienstag {17.03.2026}

Auch in dieser Woche hat der Jürgen wieder ein Bild veröffentlicht, zu dem man ein Drabble mit exakt 100 Wörten schreiben soll.
Hier ist meine Idee:
Sie konnte nicht schlafen. Die Nacht schlich heran und sie war erschöpft vom Tag. Wenn sie im Sessel saß und las, fielen ihr die Augen zu. Doch sobald sie sich in ihr Bett kuschelte, klappten ihre Augen wieder auf, an Schlaf war nicht zu denken.
So zog sie ihr feines nachtblaues Kleid an und ging hinaus in der Garten. Dort stand unter hohen, alten Bäumen eine Bank. "Hier will ich mich niederlassen", dachte sie "und auf die Traumfee warten, damit ich bei ihr einen süßen Traum bestellen kann. Fünf Minuten nur, mehr braucht es nicht." Und schon war sie eingeschlafen.
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