Sonntagsnotizen – 08. März 2026

 
5 Uhr morgens
Es ist der erste Sonntag meines neuen Lebens. Ich habe zwar bis Mittwoch noch verschiedene kleine Dinge zu erledigen, aber offiziell habe ich schon Urlaub. Und was mache ich? Wache 4:50 Uhr fast pünktlich wie bisher auf. Tapse ins Bad, später in die Küche.
Ist der Kaffee alle?
Der Sohn: Ach ja, stimmt ja. Wir schauen uns an und sagen gleichzeitig: In der Küchenkiste im Auto.
Ich werfe mir eine Jacke über, schlüpfe in meine Latschen und gehe los. Dann bin ich endgültig wach.
Es hat etwas Feierliches, an diesem Sonntag kurz nach fünf draußen zu sein und nichts anderes zu tun zu haben, als den Kaffee hereinzuholen. Langsam, ganz langsam kommt das Gefühl ich muss nicht mehr bei mir an.

Sonntags Top 7
1_Gelesen
Es gibt einen neuen Krimi von Krinke Rehberg. Austerngrab {Affiliate-Link}. Ganz ausgelesen habe ich ihn noch nicht, weil in dieser Woche so viel anderes geschehen ist, dass zum lesen kaum Gelegenheit blieb. Ich mag die Ermittlerin Bente Brodersen, ich mag die Beschreibungen der Insel Sylt, der Nordsee. Nicht nur die Kriminalfälle spielen eine Rolle, sondern das gesamte Drumherum. Das Lokalkolorit, die Figuren.
2_Gehört/Gesehen
Gehört habe ich im Auto meine Playlist auf und ab. Titel von Wenzel, Gundermann, Element of Crime, KEIMZEIT, Il Civetto und Erik Manouz, den ich bisher nicht kannte.
3_Erlebnis
Die Räumaktionen in der Firma zu beenden, war das wichtigste Erlebnis in dieser Woche. Das Beeindruckendste war, die drei Wesen, die Tischen und Stühle abholen wollten, am Samstag bei der Arbeit zu erleben. Es gibt eben doch Leute, die zupacken können und wollen. Den Glauben daran hatte ich schon fast verloren, nachdem ich erleben musste, wie fauluneffektiv meine Teilnehmer waren.
4_Genuss
RoHen hat für uns gekocht. Das ist schon deshalb ein Genuss, weil ich geschafft von der Arbeit komme und das Essen schon fertig ist. Das tut so gut.
5_Drinnen/Draußen
Von dem wunderbaren Frühlingswetter habe ich die Woche über nichts mitbekommen, weil ich ständig in der Firma war. Zum Ausgleich saß ich dann am Sonntag mit RoHen auf dem Balkon. Das tat ebenfalls unglaublich gut. Ab morgen kann ich dann mehr draußen sein.
6_Web-Fundstück/e
Wie immer, nichts.
7_Hobbys
Die Hobbies kamen eindeutig zu kurz, diese Woche. Erst heute schaffte ich es, das oben erwähnte Buch auszulesen und ein paar Runden zu stricken.

Sonst so?
Die Rosen habe ich von RoHen zum Frauentag bekommen.
Am Nachmittag musste sich RoHen wieder auf dem Heimweg machen. Danach fühlte ich mich nicht mehr gut. Nein, ich trauere nicht dem Job nach und der Stadt Torgau auch nicht. Aber dass ich nicht mehr arbeite, nie mehr. Und keine Aufgabe mehr habe, das bin ich nicht gewohnt. Das fühlt sich noch komisch an.
Der Sohn meinte, er könnte genau nachfühlen, wie es mir geht. Nicht mehr gebraucht zu werden, ist schon seltsam.
Ich werde mich daran gewöhnen und ich werde mir bestimmt irgend eine Aufgabe suchen. Ich kenne mich doch. Zuerst ist meine Aufgabe, mal meinen Urlaub genießen. Das muss mir gelingen.

Notizen im März – 04. März 2026

Ein verrückter Tag

 
Chaos am Morgen
Kaum war ich 7 Uhr zur Tür herein, tauchte die erste Teilnehmerin auf. Menno. Die Arbeitszeit der Mitstreiter beginnt 8 Uhr. Die erste Stunde, in der ich noch allein bin, nutze ich normalerweise für Büroarbeiten oder Vorbereitungen. In den Zeiten der Beräumung plane ich vor, was am jeweiligen Tag unbedingt erledigt werden muss, was ich den Leuten dringend mitteilen muss, weil es täglich noch Veränderungen gibt. Seit heute muss ich auch meinen Bürokram umplanen, weil ich seit gestern im System keinen Drucker mehr habe und demzufolge mit Scannen und Drucken auf ein anderes System ausweichen muss. Dateien dorthin zu übertragen, ist leider auch umständlich. Ich hätte also meine erste Arbeitsstunde gern darauf verwendet, mich auf die Tagesaufgaben zu konzentrieren. Tja nun, jetzt war also die erste Teilnehmerin schon da und, wie sonst üblich, ging ich natürlich auf ihren Bericht vom gestrigen Abend ein. Zwischendurch setzte ich Kaffeewasser auf, das später von anderen als Teewasser genutzt wurde. Heißes Wasser ist heißes Wasser.
Inzwischen steht die Putzfee im Raum, die mir ebenfalls gewisse Ereignisse berichtet. Ich darf sie nicht weglassen, ohne ihr ein Schreiben für ihren Chef mitzugeben. Als ich das schnell tippen möchte, entdecke ich zuerst eine Nachricht meines Chefs von gestern Nachmittag. Ich antworte ihm schnell und widme mich wieder meinem Schreiben, als die Putzfee mir auch schon ihren Tätigkeitsnachweis zur Unterschrift hinlegt. Ich bitte sie, noch einen Moment zu bleiben, woraufhin sie fragt, ob sie ihr Brötchen bei mir essen darf. Darf sie! Und damit sie geduldig auf das Schreiben wartet, mache ich ihr fix noch einen Kaffee. Schon klingelt die interne Leitung. Denkst du bitte an dieses? Und an das auch noch? Und wann kommst du am Montag?
Ähm, wenn der Chef morgen Vormittag herkommt, kann ich ihm doch alles mitgeben und muss nicht extra am Montag in die Zentrale gefahren kommen. Okay
Mitten im Gespräch steht ein Teilnehmer im Büro und drückt mir eine Krankmeldung in die Hand. Die Kommunikation ist nicht ganz einfach, weil er nicht gut deutsch spricht und mein Russisch seit 30 Jahren eingerostet ist. In der Werkstatt kreischt eine Säge und löst den letzten Rest meiner Konzentration auf. Dann habe ich endlich das Schreiben für die Putzfirma fertig, die Fee hat ihr Frühstück verzehrt. Zum Gespräch mit der Zentrale habe ich mir Notizen gemacht. Es ist halb zehn.

Der ganz normale Wahnsinn
Dürfen wir denn das Regal abbauen? Ja, von mir aus, das brauchen wir die letzten drei Tage nicht mehr.
Im Vorraum liegt ein anderes Regal in seine Einzelteile zerlegt. Das wollte ich eigentlich den Leuten zukommen lassen, die am Samstag vielleicht zum Räumen kommen. Das hat der L. zerlegt, weil er es sonst nicht in sein Auto bekommt. Hallo? Wer hat denn gesagt, dass er das mitnehmen soll?
Ich rege mich nicht mehr auf. Die Leute hören grundsätzlich nur das, was sie hören wollen. Legen alles so aus, wie es ihnen gerade passt. Aber was soll ich mich ärgern? Sie sind noch zwei Tage hier. Ich bin noch 4 Tage hier oder auch 5 oder 6, aber dann ohne diese Leute. Also, wozu aufregen?
Das Schlimme ist, dass ich an einem Teil dieses Chaos selbst schuld bin. Oder nein, das vielleicht nicht, aber ich hätte es vermeiden können. Da gab es eine Handvoll Leute, die das eine oder andere aus unserem Fundus gebrauchen konnten und dies angemeldet haben. Da hieß es dann: Das hole ich am Montag. Ich sag dir Bescheid am Mittwoch. Ich komme nächste Woche. Und jedes Mal habe ich versucht, diesen Leuten gerecht zu werden, mit dem Ergebnis, dass sie mich versetzt haben und ich dann den Mitstreitern immer wieder andere Informationen geben musste. Also, dies heben wir auf bis dann für den. Das heben wir nicht mehr auf, denn die Person, die es haben wollte, hat sich nicht mehr gemeldet. So ging das ständig. Und das hätte ich vermeiden müssen, weil mir klar war, dass meine Mitstreiter mit solchem Hickhack nicht umgehen können. Eine Einzige! Alle anderen brauchen klare Ansagen, die einmal gesagt werden und dann Bestand haben. Ja, insofern bin ich an den chaotischen Abläufen selbst schuld.
35 Minuten bevor die Leute Feierabend haben, ist es mir gelungen, wichtige Dokumente an das andere System zu übertragen, wo ich sie ausdrucken könnte, wenn… ja, wenn der Drucker drucken würde. Der aber verlangt erst noch gelbe und schwarze Tinte und als er die hat, will er Magenta. Es ist eine Befragung mit 10 Fragen, die anzukreuzen sind. Das muss heute noch sein, weil ich die Fragebogen morgen dem Chef mitgeben möchte. Und wenn der Tag morgen genauso chaotisch startet, wie heute, ist der Chef wieder fort, bevor die Leutz es geschafft haben, ihre 10 Kreuze zu setzen.
Beschwert sich doch am Ende einer, dass ich diese schwere Aufgabe so kurz vor dem Feierabend noch gestellt habe. Man müsse sich das doch erstmal in Ruhe durchlesen und manche Wörter seien so schwierig, dass man sie mehrmals lesen müsse. Hm. Ich kann euch aus Datenschutzgründen den Fragebogen hier nicht zeigen. Aber glaubt mir, nicht einmal die russisch Muttersprachler hatten mit der Übersetzung Probleme, einige Einheimische hingegen schon.

Entspannung
Die Leute sind im Feierabend. Jetzt einen Milchkaffee für mich. Dann ein Anruf bei der Entrümpelungsfirma. Der Mensch hat so eine beruhigende Art an sich, das tut richtig gut. Wir verabreden uns für Montag 8 Uhr. Wie gut, dass der Chef morgen alles mitnimmt, was in die Zentrale muss und mir damit den Weg nach Leipzig erspart.
Ich räume und sortiere und schichte nochmal um. Ich entschließe mich, heute länger zu bleiben. So lange, bis ich alles gerichtet habe, was der Chef morgen mitnehmen sollte. Das gelingt nicht ganz, weil das System, auf das ich ausweiche, nicht in der Lage ist zu scannen. Das muss ich also später zu Hause machen und morgen wieder mitbringen. Es hätte ja auch mal einfach sein können.
18:00 mache ich mich auf den Heimweg.

Sonntag – 09. März 2025

Es sollte ein Ruhetag werden. Nur eine kleine Aufgabe stand auf dem Plan. Wir wollten fünf große Kartons ins Auto laden, die ich am Montag zu meiner Freundin bringen wollte.
RoHen war unruhig und unrastig und so holte ich das Auto vor das Haus und half auch beim Beladen. Die Kartons waren leicht, aber unhandlich. Doch RoHen mit seiner Größe und seinen entsprechend langen Armen kam gut damit zurecht, so dass wir sehr schnell fertig waren. Danach war dann wirklich ruhen und genießen angesagt.
Das war drin in den Kartons. Richtig tolle Spielzeuge, die aber in unserer Toys damals niemand haben wollte. ich hoffe sehr, dass die Freundin auf den Flohmärkten vielleicht das eine oder andere an die Eltern bringen kann. Ich habe mal geschaut, was die Teile kosten, wenn man sie neu kauft…
Also ich wünsche mir wirklich, dass diese Stücke ein zweites Leben bekommen.