Mittwoch – 22. April 2026

Morgens 8 Uhr in Jena
Die Sonne strahlte und ich war gerade im Begriff, Kaffeewasser aufzusetzen. Da klingelte mein Telefon. Die "alte" Firma, allerdings eine Zweigstelle, mit der ich noch nie etwas zu tun hatte. Zuerst einmal herzliche Grüße von Kollegin Soundso… Sie hätten eine Anfrage für eine Firmenschulung in L.O. und die Kollegin hätte mich empfohlen. Hm! 🤔
Ob ich die Schulung online ausführen möchte oder in Präsenz. Präsenz wäre mir lieber, aber L.O. ist von zu Hause knapp 90 km entfernt, von Jena sogar 100 km. Da bietet sich Online-Unterricht an.
Drei Wochen bin ich raus aus der Firma, diesmal mit einer gewissen Endgültigkeit, die es andere Male nicht gegeben hatte. Die Blume zum Abschied, von der Kollegin Ypsi sagte: Das machen wir immer so, wenn jemand ausscheidet. Dann der Brief von der Geschäftsführerin, die mir für meinen Ruhestand alles Gute wünschte, weil ich 65 geworden bin und sie nicht wusste, dass ich noch bis 66 1/2 arbeiten müsste. Wenn sie mich damals, als ich Vollzeit für sie arbeitete, eingestellt hätten, statt mich als Honorardozentin zu "verheizen", müsste ich das auch nicht. Da hätte ich genug Dienstjahre, um jetzt schon das Rentnerdasein zu genießen. Und meine Rente wäre auch hoch genug, um es tatsächlich genießen zu können {zumindest, wenn man genügsam ist}.
Wenn der Auftrag tatsächlich zustande kommt {bisher ist es ja nur ein Vorfühlen, ob ich zur Verfügung stünde}, müsste ich alles wieder neu einrichten. Zugänge zu den Lernplattformen beantragen, Zugänge zu den Konferenztools beantragen. Testläufe, denn auch wenn ds für unzählige Standorte immer wieder gemacht wird, heißt das nicht, dass es auch sofort funktioniert. Ach, ich dachte, ich hätte das hinter mir.
In Ruhe meinen Morgenkaffee zu trinken, war dann nicht mehr möglich.
Auch die Fahrt nach T. begann unentspannt. Die Autobahn war von 3 auf 2 Spuren reduziert und in der 10 km langen Baustelle, in der genau nicht gebaut wurde, standen auf der rechten Spur ein LKW am anderen. Das war kein angenehmes Fahren auf der 2-m-Spur.
Um die Mittagszeit war ich daheim. Entgegen dem ursprünglichen Plan musste ich erst einmal die Küche putzen und setzte auch gleich noch eine Waschmaschine an. Später hing ich die Wäsche auf den Balkon und kochte Zudelsuppe.
Dafür
setzt man Brühe {im Original nur Salzwasser} zum Kochen an.
Dann werden 2 bis 3 Kartoffeln geraspelt und in das kochende Wasser eingerührt. Nach wenigen Minuten sind die Kartoffelraspeln gar. Wegen der vielen freigesetzten Stärke dickt die Suppe an und machte in der Nachkriegszeit viele Menschen satt. So wie Mutti mir das Rezept überliefert hat, haben die Tanten und die Oma damals noch Brennesselblätter gehackt und mit gekocht. Und da die Oma einen Garten hatte, wurde die Suppe noch mit Petersilie verfeinert.
Heute kann man noch ein Ei in die Suppe quirlen oder einen Klecks Butter zugeben. Auch gebratene Speck- oder Schinkenwürfel reichern die Suppe an.

Ich entschied mich für die Variante mit Ei und hackte noch einige Blätter vom Winterportulak. Der musste ohnehin verbraucht werden.