Samstagsplausch {11.07.2020}

Guten Morgen liebe Plauscherinnen bei Andrea.
Lasst uns frühstücken und plaudern. Eine gemütliche Runde ist genau, was ich jetzt brauche, fühle ich mich doch gerade wieder ein wenig paralysiert. Das geschieht mir immer, wenn zu vieles gleichzeitig auf mich einstürmt. Dann kann ich zunächst gar nichts tun und muss erst einmal meine Gedanken sortieren. Und was stürmt da? Und wie? Und warum?
Dabei fing die Woche doch so gut an. Na, sie geht auch gut zu Ende, aber eben anders gut.
Geruhsam
Der Samstag {04.07.2020} schlich dahin. Irgendwann schrieb der Jürschn, ob ich im Garten wäre. Ihm ging es nicht gut, so dass er nicht rauskommen konnte. Schade. Man hätte mal wieder schwatzen können. Später wünschte er sich, ich würde mal nach dem Rechten schauen. Das ließ mir doch keine Ruhe, also packte ich meine tausend Taschen und lief los. Dat Anki schlief, als ich ankam. Nunja.
Chrissi kam mit zwei Flaschen Radler. Gab ein schönes Gespräch, interessante Themen.
Ich baute mein Bett auf der Schaukel. Ich liebe es, unter freiem Himmel zu schlafen. Der Vollmond lugte zwischen Wolken hindurch und es wurde die ganze kurze Nacht nicht richtig dunkel. Kurz nach 5 Uhr stand ich auf, weil ich die Biotoilette reinigen wollte. Ich mag das nicht, wenn ich dabei Publikum habe. Also erledige ich das gern ganz früh morgens. Dann hatte ich es weg und wässerte gleich noch die Gemüsebeete. Und dann war Zeit für den ersten Milchkaffee. Dem Anki hätte ich auch gern einen gegeben, aber es ließ sich nicht ansprechen. Guckte kurz und verschwand wieder. Schade.
Die Chrissi kam. Auch so ‘ne frühe Vogelin. Sie ließ sich einen Kaffee aufdrängen. Und die Sonne kam auch und guckte uns zu.
Der Tag war nicht so ganz geruhsam {die Kleine Frau war da}, auch der Abend nicht {zwei Nachbarn besuchten den Sohn, der dann ging, während mir die beiden Nachbarn blieben}
Die Nacht zum Montag verbrachte ich wieder auf der Schaukel. Herrlich.
Auch der Dienstag war noch ruhig, auch wenn der Arbeitstag ein paar sehr emotionale Gespräche brachte.

Wirbel
Ein Anruf am Mittwoch brachte den geruhsamen Ablauf völlig durcheinander. Ein Anruf mit einem Jobangebot, das ich mal noch eine Nacht überschlafen wollte. Tatsächlich hatte ich mich längst entschieden und begann sogleich zu planen und umzuorganisieren, was diverse Telefonate nach sich zog. Plötzlich musste ich Erledigungen, für die ich dachte, noch wochenlang Zeit zu haben, in ein paar Tagen schaffen. Huch.
Nachdem ich am Donnerstag Morgen den Auftrag zugesagt hatte, gab es weitere Telefonate, Mails und plötzlich purzelten weitere Aufträge herein, so dass ich meinen Job in Torgau komplett umorganiseren musste.
Für zusätzlichen Wirbel sorgte die Kleine Frau, die wieder einen Hautarzttermin hatte, zu dem ich sie brachte. Das dauert immer ewig. Man muss bei jedem Termin mit rund zwei Stunden rechnen, die man nach der Bestellzeit noch warten muss. So auch am Donnerstag. Und dann war die Behandlung noch nicht einmal abgeschlossen und sie muss nachher noch einmal hin. Hoffentlich war es das dann.
Zum Glück konnte ich mir am Freitag Vormittag wieder eine wunderbare Auszeit nehmen beim Brunch mit Katl.

Zigeunerblut
Zu allererst möchte ich klarstellen, dass das Wort Zigeuner für mich in keiner Weise abwertend oder diskriminierend ist und erst recht kein Schimpfwort. Für mich sind das Menschen, die nicht in Häusern aus Stein wohnen, sondern in Wagen, die die Freiheit besitzen, die Welt zu bereisen und zu bleiben, wo es ihnen gefällt. Menschen, deren Lebensweise ich mich seit früher Jugend verbunden fühle. Einmal war ich drauf und dran, mich einem Zirkus anzuschließen. Wer weiß, wo ich heute wäre, hätte ich das damals getan. Während des Studiums lernte ich eine Frau kennen, die viele Jahre als Zahlmeisterin {den Beruf gibt es heute nicht mehr} zur See gefahren war. Ich konnte nicht verstehen, wie sie das hatte aufgeben können. Später im Berufsleben und nachdem der Sohn auf der Welt war, sah ich zu, dass ich verreiste, so oft es ging. Wochenende plus Feiertag plus Haushaltstag und weg war ich. Und den Sohn schleppte ich immer mit. Ich schaffte es meist auf vier bis fünf kleinere Reisen und einen 2-Wochen-Urlaub im Jahr, das änderte sich auch nicht, als der Sohn in die Schule kam, weil zeitgleich die Wende erfolgte und damit viel mehr Reisemöglichkeiten bestanden. Außerdem arbeitete ich in einer Firma mit bis zu 40 Zweigniederlassungen in ganz Deutschland und war mal in München eingesetzt, mal in Berlin und mal in der schwäbischen Alb.
Nachdem ich mich 2000 selbständig gemacht hatte, konnte ich zunächst überall arbeiten, wo es Internet gab. Und als ich 2001 mit meiner Lehrtätigkeit begann, reiste ich meinen Aufträgen hinterher, arbeitete wechselweise für verschiedene Bildungseinrichtungen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und verdingte mich zwischen den einzelnen Aufträgen als Reiseleiterin für verschiedene Busreiseunternehmen. Ich habe viel gearbeitet in diesen Jahren und war dennoch ständig unterwegs. Ich empfand das immer als toll. Ich war bei mehreren Unternehmen gleichzeitig unter Vertrag, weil keiner mir eine dauerhafte Vollzeitbeschäftigung bieten konnte, mir aber bei Bedarf Einzelverträge anbot. Ich blieb über Jahre bei diesen Unternehmen, war also immer treu, aber sesshaft war ich nie.
Das änderte sich im Herbst 2014, als mein Hauptauftraggeber seine Unterrichtsmethode grundlegend änderte. Plötzlich war es nicht mehr möglich, mehreren Herren zu dienen. Plötzlich hatte ich immer für die eine Firma zu tun. Fünf Tage die Woche, ganztägig, rund ums Jahr und am immer gleichen Standort. Das hat mir nicht gefallen Im ersten Jahr war es noch ganz nett, weil ich regelmäßig ein verlässliches Einkommen hatte, was ich aus den Jahren zuvor so nicht kannte. Aber mit den Jahren ging mir der ewig gleiche Alltagstrott immer mehr auf die Nerven. Mein Zigeunerblut zog mich fort, meine Treue ließ mich bleiben.
Und dann war mit dem Lockdown von einem Tag auf den anderen alles vorbei, auch der eintönige Berufsalltag.
Und nun? Fange ich wieder so an, wie ich im Herbst 2014 aufgehört habe. Ich behalte meinen Ein-Tag-die-Woche-Auftrag in Torgau und fahre zusätzlich mal ne Woche nach Cottbus, mal zwei Wochen nach Weißwasser. Die Uraltfreundin fragte vorhin entsetzt: Und das findest du gut?
Jaaaaaa, das finde ich nicht nur gut, das finde ich ganz klasse. Ja! Ja! Ja!
Neue Menschen kennenlernen, neue Orte. In Cottbus war ich bisher ein einziges Mal für ein paar Stunden, in Weißwasser noch nie. Die nächsten Wochen werden aufregend. Und deshalb zeige ich euch jetzt noch ein beruhigendes Foto von gestern Abend.Aufgenommen um 21.27 Uhr. Ich liebe Sommerabende.
Und nun habe ich für euch noch zwei traumhafte Musikstücke von Norbert Fimpel.
Angel
und
Annemie

Euch allen wünsche ich ein schönes Wochenende.
Eure Mira

12 Gedanken zu “Samstagsplausch {11.07.2020}

  1. Hallo liebe Mira,
    da wir ja wieder einiges los bei dir! Das Foto vom Abendhimmel gefällt mir sehr gut (das Frühstück ist aber auch nicht zu verachten). Sommerabende – dies klingt schon wie Musik…
    Liebe Grüße
    Ingrid

    1. Liebe Ingrid,
      es gab mal eine Veranstaltungsreihe, auf die ich wegen ihres Namens aufmerksam wurde: Songs an einem Sommerabend.
      Das war dann ein Sommerabend voller Musik.
      Die Reihe gibt es noch, nur findet sie nicht mehr auf der Wiese vor Kloster Banz statt, sondern in Würzburg. Ich wollte dieses Jahr unbedingt da hin. Nur, gibt es das Fest dieses Jahr natürlich nicht.
      Das fehlt mir.
      Ja, los ist bei mir wieder viel, aber das muss auch so sein, ich brauche das.
      Liebe GRüße
      von Mira

  2. Ich lasse mir für das nächste gemeinsame Freitagsfrühstück was schönes zu Essen einfallen. Habe ja viel Zeit da zu!

    Liebe Grüße von Katl

    1. Du hast recht, die Arbeit muss passen. Das tat sie für mich seit 1990 eigentlich immer, oder fast immer, eben bis auf die letzten zweieinhalb Jahre. Da war es nicht so prickelnd, aber, wie bereits erzählt, hat sich das ja nun wieder geändert. Da bin ich sehr froh drüber.

      Über meine Reise(n) werde ich berichten.
      Bis dahin liebe Grüße
      die Mira

    1. Danke liebe Ursula,
      so ein tolles Frühstück bekomme ich auch nur einmal in der Woche. Meine Freundin richtet das immer für mich her. Das ist immer wie ein kleiner Urlaub.
      Liebe Grüße
      von Mira

  3. Hallo,
    oh… so einen Frühstückstisch hätte ich auch mal gerne. Sieht (wie auf den letzten Fotos auch schon ) sehr lecker und einladend aus. Zum Job hätte ich Dir wohl die gleiche Frage gestellt wie Deine Uraltfreundin. ;-). Und ich finde es gut, dass Du das magst und es gut anläuft wieder jobmässig.
    Ich wünsch Dir ein wunderbares Wochenende
    Liebe Grüße
    illy

    1. Im Moment fast zu gut, so dass ich heute einen sehr voll gepackten arbeitsreichen Sonntag habe.
      na gut, ich kann mich nächste Woche erholen, da ich nach Feierabend keinen haushalt habe und somit herumklumpern kann.
      Oh ja, das unterwegs Arbeiten gefällt mir am allerbesten.

      Liebe Grüße
      von Mira

  4. Liebe Mira ,
    das klingt aufregend und auch erkebnisreich , aber für
    mich wäre so eine berufsbedingte Reiserei überhaupt nix . Aber da ist jeder anders und gut , wenn Arbeit und Freude so beieinander sein können .
    Oh ich liebe meine Hollywoodschauckel auch sehr , draußen zu übernachten hat was , aber so richtig geheuer ist es mir nachts im Garten dann doch nicht .
    Aber hier ist auch grad wettertechnisch eh keiner Überlegung wert .
    Dein heutiges Bild hat mir sehr gefallen , ein gutes Frühstück , ein guter Start in den Tag .
    Alles Liebe und Gute .
    Herzliche Grüße JANI

    1. Da sagst du was. Wettertechnisch passt dieser Sommer nicht so recht. Ich hatte geplant, auch letzte Nacht wieder draußen zu sein, aber dann bin ich doch lieber zu Hause geblieben, was gut war, denn ich habe mir sogar mitten in der Nacht noch eine zusätzliche Decke geholt. Naja.
      Ich bin gespannt, was der Sommer noch so bringt und wünsche dir erst mal einen schönen Sonntag.
      Bis bald
      die Mira

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