Samstagsplausch {24.07.2021}

Die Woche in einem Wort
Selbstfürsorge

Wochenrückschau

Samstag, 17. Juli 2021
Ein Thema in Andreas letztem Samstagsplausch war Selbstfürsorge und ich dachte, diese würde mir gerade recht gut gelingen. Ich sollte so etwas nicht denken, denn dieses Wochenende wurde alles andere als fürsorglich mit mir umgegangen und ich schaffte es nicht, mich zur Wehr zu setzen. Ich schaffte es auch nicht, mich um mich selbst zu kümmern.

Ich bin rumgerannt.
Am Samstag Morgen war die Welt noch halbwegs in Ordnung. Dann rief die Mutti an, ich sollte ihre Geldkarte sperren lassen, weil sie sie verloren hat. UNSINN. Die Karte hatte sie mir gegeben und gebe sie ihr natürlich zurück, falls sie diese braucht. Sie wollte mir das gar nicht glauben, also dass ich sie wirklich habe. Tja.
Als ich gerade los wollte, um die kleine Frau mit ins Paunsdorf Center zu nehmen, erreichte mich ein Hilferuf. Mein Schwager war 60 km vor Leipzig mit dem Roller liegengeblieben. Leider konnte ich ihm nicht helfen, so gern ich das gewollt hätte.
Also fuhr ich doch noch mit der Mutti ins PC. Danach allein in den Kaufmannsladen.
Sie: Warum fährst du denn da allein hin?
Ich: Weil DU zu einer bestimmten Zeit daheim sein willst und wir das zusammen nicht mehr schaffen würden!
Später ging ich in den Garten, wo ich mich gern entspannen wollte. Sohn und SchwieTo waren noch da und wir hatten endlich Gelegenheit, über ein Jobangebot für ihn zu sprechen.
Die ersehnte Ruhe fand ich, als die Nacht sich über die Gärten senkte und ich auf der Schaukel unter dem Sternenzelt leise in den Schlaf gewiegt wurde.

Sonntag, 18. Juli 2021
199/365
Sonnenaufgang, 4:37 Uhr
Frühstück im Garten, 7:49 Uhr
Bis dahin war die Welt auch noch in Ordung, jedenfalls halbwegs. Ich dachte, ich könnte mich mental von dem bösen Freitag erholen und mir einen Ruhetag gönnen.
Als es im Garten voll wurde, zog ich mich nach Hause zurück. Erst mal duschen. Dann kam schon der Anruf, ob ich mit dem Grillzeug komme. Das hatte sich bei mir daheim besser lagern lassen als im Garten. Was mich aus der Bahn warf, war die Frage: Wann kommst du denn dann mit der Oma?
Die Oma war doch gar nicht eingeplant. Und dann: Du kannst doch die arme alte Frau nicht in ihrer Wohnung hocken lassen!!!
Na klasse. Ich zottel sie doch dauernd mit mir herum, aber wenigstens am Sonntag wollte ich nicht wieder fremdbestimmt sein.
Das Ende vom Lied war, dass ich die Oma holte und mich dann natürlich nicht zurückziehen konnte, weil ich sie ja irgendwann wieder heim bringen musste. Und einfach mal ein bissel lesen oder vor mich hinträumern ging auch nicht, weil eben diese alte Dame dann immer etwas zu bestimmen oder mir vorzuwerfen hatte.
Was soll denn das jetzt? Du hast die Augen zu!!!
Du hast doch hier gut geschlafen!
Ja, freilich, von Mitternacht bis 6 Uhr. Das ist ja auch sooo viel Schlaf an einem Wochenende.
Na, das kann reichen. Du kannst nicht immer nur schlafen!
Mich hat das alles schrecklich aufgeregt. Dieses dauernde Befinden darüber, dass ich in ihren Augen alles falsch mache. Dieses ewige Gegängel.

Am Abend dieses Tages hatte ich nur einen Wunsch: Am nächsten Wochenende einfach wegzufahren und keinem in der Familie irgendwas davon zu sagen. Einfach mal weg sein, nicht erreichbar, nicht herumschubsbar. Sollen sie doch alle mal merken, wie das ist, wenn ich nicht als Hol-einmal-bring-einmal zur Verfügung stehe.
Am Abend mancher Tage {Lift}

Montag, 19. Juli 2021

Nach dem Wochenende freute ich mich noch mehr als sonst auf meine Arbeit in TDO.
Hin und her überlegte ich, wo ich das Wochenende verbringen könnte, weit weg von zu Hause. Oder doch gar nicht weit, aber unbedingt weg. So recht fiel mir keine Lösung ein. Nur der Drang, mich rar zu machen, der blieb.
Ich schnitt einen Coupon aus der Sonntagszeitung aus und schickte ein Foto an Katl. Am Ende trafen wir uns, um den Gopalast zu besuchen.
Das war Selbstfürsorge pur.




Dienstag, 20. Juli 2021
Der für Montag versprochene Anruf ließ auch am Dienstag auf sich warten. Wobei… nun warte ich nicht mehr. Wenn ich keinen Anruf wert bin, ist mir das nun auch nichts mehr wert. Geht schon irgendwie.
Am Nachmittag versuchte ich, meine Selbstfürsorge {Besuch der Therme} mit der Pflichterfüllung zu verbinden, indem ich die Mutti mitnahm. Fragt mich bitte nicht, warum ich mir das angetan habe. Sie wollte mit. Das ging schon seit Freitag, dass sie zunächst äußerte, sie ginge da gern mal hin. Später meinte sie, ach, sie wolle mir meinen Besuch dort nicht vermiesen. Solche Äußerungen erfolgen dann immer in einem leidenden Tonfall. So: Ach, ich Arme, jetzt muss ich verzichten, damit ich dich nicht störe. Nur um Äußerungen heraufzubeschwören, wie Du störst mich nicht. Oder dass ich gar noch bitte, sie mitnehmen zu dürfen. Damit sie dann hinterher sagen kann: Du wolltest doch, dass ich mitkomme.
Also entschied ich: Jetzt hast du gesagt, du willst mit, also kommst du nun auch mit! Wir werden ja sehen, wie gut oder schlecht das geht.
Und was soll ich sagen? Es ging erstaunlich gut. Wir hatten richtig Spaß, ich konnte mich tatsächlich entspannen und sie war glücklich.
Das können wir mal wieder tun.
Auf dem Rückweg meinte sie: Nun konnte meinetwegen die arme Katl gar nicht mit.
Doch dem war nicht so. Die Katl hätte sehr wohl noch Platz im Auto gehabt. Das könnte man also auch mal noch durchführen.

Mittwoch, 21. Juli 2021
202/365


Ein Hilferuf früh am Morgen bewog mich, vor dem Weg zur Arbeit noch im Garten vorbeizuschauen. Ich konnte leider auch diesmal nicht wirklich helfen, weil ich die vermisste Person nicht fand. Allerdings habe ich eine gewisse Vermutung. Wenn eine erwachsene Person abgängig ist, muss nicht immer gleich etwas Schlimmes passiert sein.
Die Person ist inzwischen längst wieder aufgetaucht und es ist tatsächlich nichts weiter passiert. Naja, wie man’s nimmt.
Eine Dienstfahrt führte mich am Vormittag ein Stück auf meine "alte" Route in Richtung Cottbus. Besonders die Rückfahrt spülte Erinnerungen hoch, die ich doch lieber am Boden halten möchte. Blöde Gefühle aber auch!
Zum Feierabend erreichte mich ein weiterer Hilferuf: Ich brauche mal deinen Rat. Das Gespräch dauerte über 2 Stunden, aber zum Glück konnte ich tatsächlich helfen.
Am Ende mahnte ich auch die Hilfesuchende an ihre Selbstfürsorge. Das sagt die Richtige. *lach* Aber JA, das ist wichtig. Das habe ich längst für mich erkannt, nicht zuletzt, weil Regula mich daran gemahnt hat. Und ich sehe ganz deutlich bei anderen, wenn es da schleift. Bei mir selbst sehe ich das auch, nur fällt da die Umsetzung oft schwer. Diese Woche aber achte ich intensiv darauf.

Donnerstag, 22. Juli 2021
Am Morgen hatte ich straff zu tun, denn es war eine neue Mitarbeiterin einzuweisen und das gestaltete sich etwas eigensinnig.
Außerdem hatte ich noch eine Kollegin zu coachen. In Teilen unseres Jobs bräuchten wir Supervision. Da dies Kosten verursachen würde, die unsere Chef-Etage natürlich nicht tragen möchte, bleibt uns nichts anderes übrig, als uns gegenseitig zu unterstützen und zu coachen und aufeinander aufzupassen. Viele Kollegen wissen um meine Fähigkeiten als Coach und um meine {externen} Erfolge und so vertrauen sie mir auch intern.
Am Vormittag hielt ich die Ungewissheit nicht mehr aus und schrieb einem Freund(?), ob es ihm gut geht. Der Rückruf kam wenige Minuten später. Dann war ich sehr beruhigt, denn bis auf viel Stress, geht es ihm gut. Na, immerhin.
Für den Abend wollte ich… nein, dass muss ich anders erzählen: Nach dem vergangenen Chaoswochenende hatte ich mir fest vorgenommen, am kommenden Wochenende zu verschwinden und für niemanden erreichbar zu sein {eine, mir sehr wichtige, Person ausgenommen}. Nun fiel mir am Dienstag mit Schrecken ein, dass für die Steuererklärungen nicht mehr viel Zeit bleibt, und ich nahm mir vor, diese am Mittwoch und Donnerstag zu bearbeiten, damit ich mir das Wochenende von solchen Aufgaben frei halte. Nachdem ich mich nun am Mittwoch Abend um die Kollegin gekümmert hatte und danach dann keinen Nerv mehr für den Steuerkram hatte, sollte dies am Donnerstag unbedingt noch erledigt werden.
Vorher auf dem Heimweg war noch das Wegbringen unzähliger Mineralwasserflaschen geplant. Und ein kleiner Einkauf. Das Leergut war so viel, dass ich das Pfandgeld mit dem Einkauf nicht einmal aufbrauchte und noch etwas heraus bekam.
Vier Kilometer weiter entdeckte ich an einer Tankstelle einen sehr günstigen Spritpreis, so dass ich da auch noch einmal ranfuhr.
Gegen 17 Uhr war ich endlich daheim und so geschafft, dass ich mir ein Tässchen Tee und ein kleines Abendessen gönnte. Weit kam ich damit allerdings nicht, denn als das Telefon klingelte und Lili wissen wollte, wie ich mich fühle, war es 21 Uhr, der Tee war kalt und an dem Abendessen hatten sich zwei Fliegen gütlich getan, so dass ich es nicht mehr essen mochte.
Wer glaubt, dass ich nun noch die Steuererklärungen bearbeitete?
Leider bedeutet das, dass ich nun am Wochenende nur in eine Richtung verschwinden kann… hinter meinen Rechner und die Berge von Steuerunterlagen.

Freitag, 23. Juli 2021
Manchmal muss man morgens einfach noch eine Nachricht schreiben, auch wenn man längst unterwegs sein sollte.
Und man muss seine Gedanken beisammen haben und allen Bürokram in eine Tasche stopfen und mitnehmen. Und wenn dann Feierabend ist, kann man sich einen Kaffee aufbrühen und sich über all den Steuerkram hermachen, den man schon zwei Abende vor sich her geschoben hat. Und irgendwann ist das dann erledigt.
Man selbst ist dann zwar auch erledigt, aber mit dem guten Gefühl, das Wochenende frei zu haben.
In der Abendsonne fuhr ich heim und fühlte mich beschwingt. Und ein klitzekleinwenig traurig, weil ich nun dieses schöne freie Wochenende vor mir hatte und noch immer nicht wusste wohin.

Samstag, 24. Juli 2021
Heute wollten wir in Kamp sein.
Hier seht ihr Kamp, so wie wir es gern erlebt hätten, wie es aber Dank beschränkter Beschränker in diesem Jahr nur sehr wenige erleben dürfen.

Und hier das gleiche Lied vorgetragen im Plauener Malzhaus. Die Anmoderation ist hörenswert.

Ich hätte vielleicht trotz allem ans Meer fahren sollen.

6 Gedanken zu “Samstagsplausch {24.07.2021}

  1. Hallo Mira,
    was für eine Woche.
    Schöne Wetterstimmungen hast Du eingefangen. Immerhin hast Du der Woche doch noch Zeit im heimeligen Garten, bei wunderbarem Essen und sogar entspannt in der Therme abgezwackt.
    Lass auch die positiven Dinge/Gefühle/Menschen rein, sollen sich die negativen Vibes doch mal ein bisschen kleiner machen. Heisst ja nicht, dass Du Dich gar nicht mehr um Deine Familie kümmerst sondern nur, dass Du auch für Dich sorgst.
    Ach.. wenn das bloss nicht immer so kompliziert wäre.
    Nachdenkliche Grüße da lass
    illy

    1. Du hast recht, liebe Illy, manchmal ist das ganz schön kompliziert. Gerade denke ich darüber nach, wie ich für den kommenden Samstag mit Anstand meine Teilnahme an einer Veranstaltung absage, die ich nicht besuchen mag.
      Am besten, ich sage einfach: Ich komme nicht.
      Und fertig. Klar wird man mich fragen, warum nicht, aber Ein Nein braucht keine Begründung. Also: Nein.
      Nun muss ich das “nur noch” umsetzen.
      Kämpferische Grüße
      Mira

  2. Hallo Mira,
    das hört sich nach einer sehr anstrengende Woche an, und ja man muss für sich Pausen finden. Aber ich weiß auch wie unendlich schwer das ist, weil ich im Moment selber die Balance finden muss.
    Alles Liebe und Gute für die nächste Woche
    Manu

    1. Ach weißt du, liebe Manu, so anstrengend war die Woche gar nicht, eher eine von den ruhigeren. Es war nur nervenaufreibend, weil so viele, viele Emotionen im Spiel waren. Teils negative {Hexe, Mutti, Sohn} und teils positive, von denen ich aber nicht so recht weiß, ob ich mich ihnen hingeben darf. DAS ist das eigentlich Anstrengende.
      Liebe Grüße
      Mira

  3. Helfen tue ich auch gerne, aber ausnutzen nicht. Ach ans Meer und wenn es nur für ein WE ist, das täte dir sicher gut. Mach es doch einfach und schreib es nicht nur.
    L G Pia

    1. Es kommt immer wieder etwas dazwischen. Du hast recht, ich müsste es wirklich einfach tun. Die Woche über vorbereiten und am Wochenende einfach abhauen.
      Mal sehen

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