Enttäuschung

Ich habe diesen Text schon drei oder vier mal umgeschrieben und zwischendurch überlegt, ob ich ihn überhaupt veröffentliche. Jetzt gehe ich ihn ein letztes Mal durch und entscheide dann…
Es war Sonntag, 18. März.
Eine Freundin hatte mitbekommen, dass mein Samstag ein wenig traurig gelaufen war. Sie meinte, sie wolle mich auf andere Gedanken bringen und eine Einladung einlösen, die sie schon im Dezember ausgesprochen hatte. Sie versprach noch eine Menge anderer Dinge, die ich gar nicht annehmen wollte. Aber darauf, die Einladung an diesem Abend einzulösen, darauf bestand sie. Meinte, das täte mir gut, und sie wolle mir unbedingt was Gutes tun. Wir verabredeten allerlei hin und her, auch die Uhrzeit, zu der ich sie abholen sollte und sie beteuerte mehrfach, wie sehr sie sich auf mich und den Abend mit mir freut. Und ich dumme Nuss habe das tatsächlich geglaubt. Der Tag verflog, ich machte meine Haare schön, probierte noch verschiedenes an Frisuren, suchte ein schönes Kleid heraus und bereitete alles vor, was ich dazu tun konnte, dass es ein schöner Abend würde. Als ich abfahrtbereit war, rief ich sie an, um ihr zu sagen, dass ich losfahre und dass sie bitte die Daumen drückt, damit das Auto anspringt. Da bekam ich mit {weil sie sich während meines Anrufs mit jemand anderem unterhielt}, dass sie Besuch hatte und diesem Besuch noch nichts davon gesagt hatte, dass sie mit mir verabredet war. Ich fragte, ob sie jetzt etwa gar absagen wolle und sie meinte voller Begeisterung: Ja, das wäre gut und ob ich da jetzt sehr traurig sei.
Ich? Traurig? Wieso sollte ich traurig sein, wenn mir jemand erst etwas verspricht, ja regelrecht einredet und dann, wenn ich mich darauf freue, im allerletzten Moment was besseres vor hat.
Also, traurig war ich wirklich nicht. Nur enttäuscht. Und das nicht wegen des Abends an sich oder weil nun die Einladung verfiel, sondern weil sie mir so deutlich gezeigt hat, wie unwichtig ich ihr im Grunde bin.
Ich meine, es kann immer passieren, dass man verabredet ist und plötzlich unverhofft Besuch vor der Tür steht. Doch dann kann man doch nicht einfach gar nichts tun und hoffen, dass sich das Dilemma von selbst erledigt. Ich finde, man hat mehrere Möglichkeiten.
Die eine wäre, den Besuch willkommen zu heißen, ihm aber dann gleich zu sagen, dass man später noch verabredet ist. Dann kann der Besuch entscheiden, ob er zu gegebener Zeit wieder geht oder aber mit zu der Verabredung kommt {was in den meisten Fällen möglich sein dürfte}.
Die andere wäre, ebenfalls den Besuch willkommen zu heißen und dann umgehend die Verabredung anzurufen und mitzuteilen, dass etwas dazwischen gekommen ist. Dann kann man entweder die Verabredung verschieben oder wiederum vorschlagen, den Besuch mitzubringen. Da kann man auf so viele Arten reagieren.
Aber niemandem etwas zu sagen, weder dem Besucher, noch der Verabredung und dann im Stillen zu hoffen, dass entweder der Besuch rechtzeitig wieder verschwindet, oder die Verabredung sich das Genick bricht und nicht erscheint oder dass die beiden aufeinandertreffen und die Entscheidung, was mit dem Rest des Abends geschieht, unter sich ausmachen, das ist das Einzige, was gar nicht geht. Aber genau dafür hat sich diese Freundin entschieden.

Keine Sorge, ich werde nicht zickig sein oder so. Aber wenn wir uns wieder einmal verabreden sollten, werde ich mich nicht so sehr drauf freuen und ich werde mir eine Alternative überlegen, damit ich auch dann was schönes vor habe, falls sie wieder im letzten Moment absagt.

2 Gedanken zu “Enttäuschung

  1. Das ist sehr schade, liebe Mira und ich kann deine Enttäuschung schon verstehen. Ich glaube, ich würde es gar nicht mehr versuchen, mich mit der Freundin zu verabreden. Andererseits war ich auch schon oft unzuverlässig und habe Treffen abgesagt. Dann war ich froh, wenn man mir das nicht nachtrug. 😉
    Liebe Grüße von Catrin.

    1. Liebe Catrin,
      keine Sorge, ich trage ihr das nicht nach. Ich werde auch nichts mehr diesbezüglich zu ihr sagen, es sei denn, sie spricht mich noch mal darauf an. Dann würde ich ihr versuchen zu erklären, dass mir nicht um die Absage an sich ging, sondern um die Art und Weise.
      Vielleicht versteht sie das ja.
      Liebe Grüße
      die Mira

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