Urlaub, 3. Tag


Der frühe Montag Morgen fand uns beide froh und munter. Nur das Wetter war grau, kühl und wie es sich für sie Ostsee gehört – windig.
– Was machen wir denn heute?
– Hm, weiß nicht. Strandspaziergang?
– Bei dem Wetter?
– Also ich brauche jetzt erst mal nen Milchkaffee.
– Das dachte ich auch gerade. Lass uns frühstücken, dann sehen wir weiter.
Im Frühstücksraum trafen wir auf ein Pärchen aus Thüringen, das gestern spät abends noch angekommen war. Man stellte sich gegenseitig vor, schwatzte über die Anreise, die Route. Ab Berlin gab es zwei Möglichkeiten, die Thüringer waren gerade weiter nach Norden in Richtung Rostock gefahren, während wir unterhalb Berlins schon nach Osten auf Frankfurt und erst dann weiter nördlich gefahren waren. Laut Routenplaner differieren beide Strecken um ganze drei Kilometer.
Wir halfen den Neuankömmlingen mit Pulverkaffee aus und gaben als "erfahrene" Polen-/Ostsee-Urlauber Tipps zu Ausflugszielen um und Einkaufsmöglichkeiten in Kolberg. Die Zeit verging wie im Flug, und ehe wir es uns versahen, war es elf Uhr. Höchste Zeit, noch etwas mit diesem Tag anzufangen. So machten wir uns wieder einmal auf den Weg, den Strand entlang, diesmal in entgegengesetzter Richtung zu gestern. Unser Ziel sollte ein Leuchtturm sein, den wir in der Ferne im Dunst ausmachen konnten.
Doch zunächst einmal schoss ich unzählige Fotos "Möwen an grauem Meer".
Möwen an grauem Meer
Möwen an grauem Meer
Als wir den Leuchtturm endlich erreichten, hatte der Wind die Wolken vertrieben und der Sonne Platz geschaffen.

Leuchtturm von Niechorze

Ich wollte unbedingt dort hinauf und kam dabei mächtig außer Puste. Die Aussicht jedoch belohnte diese Anstrengung. Nur Fotos lohnten sich nicht, da es immer noch recht diesig war.
Auf dem Rückweg entlang der leicht verwilderten Uferpromenande fanden wir noch diesen lustigen Gesellen.

Leuchtturm von Niechorze

Bei der Suche nach der günstigsten Kameraposition verhedderte ich mich im Gestrüpp und riss mir an einem stacheligen Ast die rechte Wade auf. Das Blut lief gleich in mehreren Bächen mein Bein hinunter. Da half nur eins: Kälte hin, Kälte her, ich musste ins Meer, denn Salzwasser reinigt Wunden und hilft bei der Heilung. Mit hoch gerafftem Rock, die Schuhe in der Hand, stieg ich in die Fluten. Nach dem ersten Schock war es gar nicht mehr sooo kalt. Den Rest des Weges legten wir dann barfuß im knöcheltiefen Wasser zurück.
Zum Abendessen gab es die Reste der Suppe von gestern, die wir mit ein paar Würfeln angebratener Salami aufgepeppt hatten. Dann schnappten wir uns eine Flasche Rotwein, die Katl von zu Hause mitgeschleppt hatte, hockten uns in die Dünen, gut eingehüllt in dicke Socken, Leggins unterm Rock und dicke Pullover und schauten dem Meer beim Schlafengehen zu.
Den Rotwein tranken wir abwechselnd aus der Flasche.

Und nun wieder der echte Urlaub in Gardenia.
Der frühe Montag Morgen zeigte sich grau, kühl und windig. Ich packte wieder einmal Taschen, diesmal mit mehr Sorgfalt, als an den vergangenen Tagen, denn ich wollte den Garten zu Fuß erreichen. Wenn man alles schleppen muss, überlegt man sich dann doch gründlicher, was man wirklich braucht. Dicke Kleidung und zwei kuschelige Decken gehörten unbedingt dazu. Außerdem Salat, Gemüse und diverse würzende Zutaten für Salat und Suppe.
Dann gönnte ich mir den virtuellen Ausflug ans Meer, den ihr gestern lesen konntet, sowie den Rückblick auf den Tag.
Und danach war es an der Zeit, endlich in die Gänge zu kommen, immerhin waren wir zum Frühstück im Garten verabredet. Die Sonne hatte inzwischen auch ausgeschlafen und kämpfte mit wärmenden Strahlen gegen die Kühle des Windes an.
Als ich mit Sack und Pack im Treppenhaus stand, kam meine Nachbarin aus ihrer Wohnung, angeblich, um zu schauen, ob sie ihren Fußabstreicher staubsaugen müsse. Tatsächlich ist sie eine sehr nette ältere Dame, die wohl ein wenig einsam ist und [zumindest mit mir] gern mal ein Schwätzchen unter Nachbarn im Treppenhaus hält. Das muss ja auch mal sein und kommt wegen meines unsteten Lebenswandels eher selten vor. Wir kamen vom Hundersten ins Tausendste, und es dauerte noch eine lange Weile, bis ich mich loseisen konnte.
So wurde das Frühstück im Garten eher ein Brunch, bei dem wir uns tüchtig die Bäuche voll schlugen [Katl hatte unterwegs leckere Käsebrötchen eingekauft] und über allen möglichen Unsinn so herzhaft lachten, dass Nachbar Ingo uns "Knallerbsen" nannte, wobei er jedoch Kichererbsen meinte. 😉
Nach der Völlerei war Bewegung angesagt. Während Katl das Schaf über die Wiese schob… ähhhhm den Rasenmäher natürlich, bekämpfte ich die Verwüstungen auf dem Kräuterbeet, ihres Zeichens wildernde Brombeeren und überzählige Topinambur. Und dann, kurz bevor ich wegen der hoch stehenden Mittagssonne die Arbeiten einstellen wollte, verhedderte ich mich in den bereits abgeschnittenden Brombeerzweigen und riss mir die rechte Wade auf.
Ruckedikuh, ruckedikuh, Blut ist im Schuh…
Blut ist im Schuh...
Katl kam geflitzt, ordnete an, dass ich sofort das Bein hoch lege und gefälligst nicht mehr arbeite. Da wir gerade kein Meer zur Hand hatten, um die Wunde zu spülen, brachte Katl mir eine Zwiebel, deren Saft ein natürliches Antibiotikum enthält und somit zur Wundreinigung bestens geeignet ist.
Danach saßen wir in der Mittagssonne, die den Kampf gegen den Wind längst gewonnen hatte, schwatzten und strickten, Katl an ihrem Never-ending-Rock und ich an meinem Entwurf.
Nach dem Kaffee setzte ich mich mit 50g Bluefaced-Leicester-Fasern ans Spinnrad und zauberte ein hauchdünnes und dennoch weiches Fädchen.
Zum Abendessen peppte ich die Suppe von gestern mit angebratenen Salamiwürfeln und zwei Geflügelwienern auf, schnippelte eine Riesenschüssel Salat und Katl zauberte eine Flasche Bardolino aus den Tiefen ihres Rucksackes hervor.
Mit Sonnenuntergang wurde es kühl und wegen der Nähe zum Fluss auch feucht. Außer in sehr heißen, sehr trockenen Sommern sind die Nächte in Gardenia immer feucht. Doch mit all unseren Kuschelsachen und -decken waren wir dagegen bestens gewappnet, und so wurde es Mitternacht, bis wir uns zwischen Wiesen, am Fluss entlang auf den Heimweg machten.
Den Rotwein hatten wir übrigens aus hübschen alten Gläsern getrunken.
Abendrot über Gardenia
[*Der guten Ordnung wegen: Der Leuchtturm ist natürlich der von Niechorze, auf halbem Wege zwischen Pogorzelica und Rewal gelegen und von Kolberg aus unmöglich zu Fuß zu erreichen, zumindest nicht an einem Tag.*]

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3 Gedanken zu “Urlaub, 3. Tag

  1. Mira die Mövenfotos sind doll.Garantiert einmalig.
    Ich wäre viel zu langsam um schnell auf den Aus
    löser zu kommen.
    Danke für den schönen Urlaubstag auch heute wieder.
    Freue mich mit dir auf den neuen Tag.

    katl

  2. Ui, da puste ich mal ganz dolle aus der Ferne!
    Der Tip mit der Zwiebel ist toll, aber brennt das nicht???
    Hoffe ihr verlebt heute wieder einen schönen “Urlaubstag”,
    Grüßchen
    Sabine

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