Urlaub, 2. Tag

Dieser Tag begann mitten in der Nacht damit, dass es Katl nicht so gut ging. Bauchgrimmen "vom Feinsten". Da wir beide nahezu das Gleiche gegessen hatten und ich mich wohl fühlte, vermuteten wir, dass Katl vielleicht die Umstellung des Wassers nicht vertragen hat. Oder war es die Tütensuppe? Immerhin isst Katl sonst überwiegend Biokost und ist diesen Chemiekrams nicht gewöhnt. [Im Gegensatz zu mir *hüstel*]
Nachdem es ihr am Morgen wieder besser ging, fiel Katl in tiefen Schlaf, während ich putzmunter war. Also ließ ich sie schlafen, schlich mich hinaus und zog nach einer Tasse Milchkaffee, die ich mir unten in der kleinen Küche schnell aufgebrüht hatte, an den Strand. In einer windgeschützten Kuhle ließ ich mich nieder und schaute dem endlosen Spiel der Wellen zu, die unermüdlich an den Strand rollten. Ich träumte von der Hütte im Wald [ein Projekt, von dem ich später noch berichten werde, nach dem Urlaub] und dachte mir Strickanleitungen aus. Wo hab ich denn eigentlich mein Ideenbuch hin gepackt?
Als ich gegen Mittag ins Quartier zurück kam, schlief Katl immer noch, wachte aber wegen meiner Polterei auf. Ich hatte ihre Tasche von der Kommode gestoßen, als ich in meiner nach dem Ideenbuch kramte, ohne es jedoch zu finden. Es tat mir so Leid, dass ich sie geweckt hatte, aber sie meinte, das sei in Ordnung und sie fühle sich wieder fit.
Nach einem kurzen Imbiss [Katl kann ohne Frühstück das Haus nicht verlassen, wagte sich aber nur an trockens Knäckebrot] machten wir uns auf den Weg nach Kolberg, wo das große Einkaufszentrum auch sonntags geöffnet hat. Unsere Pension befindet sich nicht direkt in der Stadt, sondern in dem malerischen Dörfchen Grzybowo, 6 km östlich von Kolberg.
Wir liefen am Strand entlang und kehrten auf gleichem Weg später auch zurück. Nach dem Abendessen, es gab wieder Suppe, die ich diesmal aber aus jeder Menge Gemüse selbst gemacht habe, zog es uns noch einmal an den Strand, wo wir dick eingemummelt dem Wind trotzten und einen zauberhaften Sonnenuntergang beobachten konnten.
Sonnenuntergang am Meer

Wer gestern schon hier gelesen hat, weiß, dass er so nicht gewesen sein kann, unser 2. Urlaubstag. Auch mein Traum vom Urlaub in Gardenia schien sich zunächst nicht zu erfüllen.
Ich war sehr früh auf. Allen Wettervorhersagen zum Trotz strahlte die Sonne, aber es war sehr windig und kalt. Ich schrieb zuerst den langen Eintrag über unseren ersten Urlaubstag, kramte dann in der Küche herum und fütterte die Waschmaschine.
Später tüftelte ich an einer Strickanleitung für ein "Drüberziehchen" und suchte in meinen vielen Stricktaschen nach meinem Ideenbuch, ohne es jedoch zu finden. Also skizzerte ich den Entwurf auf ein Schmierpapier, das ich in die grüne Schaftasche vom Strickstammtisch stopfte.
Die ganze Zeit über war ich missmutig, weil Katl sich nicht meldete. Schließlich wollten wir zusammen Urlaub machen, was sie auch mehrfach betont hatte. Ich konnte nicht verstehen, wieso sie, wenn wir schon mal telefonierten, immer nur erzählte, was sie vor hat [Einladung bei Schwägerin zum Beispiel], aber nie fragte, ob wir etwas gemeinsam unternehmen wollen. Immer dann, wenn das Gespräch hätte darauf kommen können, etwas zu verabreden, meinte sie: "Na gut, dann haben wir ja jetzt alles besprochen. Dann wünsche ich dir noch einen schönen Tag." Und jedes Mal fragte ich mich dann: Was ist los? Will sie mich nicht sehen?
Nun wartete ich darauf, dass sie sich meldet, was jedoch nicht geschah. Gegen Mittag hielt ich es nicht mehr aus und rief bei ihr an. Und dann erfuhr ich, dass sie sich vorher gar nicht melden konnte, weil sie noch geschlafen hatte.
Nicht dass jetzt jemand denkt, Katl sei eine Schlafmütze. Sie hatte allen Grund dazu, so lange im Bett zu liegen, denn in der Nacht war es ihr nicht gut gegangen. Sie hatte Bauchgrimmen "vom Feinsten" und war erst am Morgen, als sie eigentlich aufstehen wollte, überhaupt zur Ruhe gekommen.
Es tat mir so Leid, dass ich sie geweckt hatte. Dennoch verlief unser Telefonat wieder seltsam. Sie erzählte, dass sie sich jetzt wieder fit fühlte, nur schnell eine Kleinigkeit essen und dann in den Garten gehen wollte. Dort wollte sie ganz fleißig sein. Schreddern und Rasenmähen ist ja sonntags nicht erlaubt, aber auf dem Grabeland wollte sie alles Unkraut beseitigen. Die Arbeiten, die sie mir aufzählte, reichten wohl für mindestens eine Woche. Und dann nahm das Gespräch die gewohnte Wendung: "Naja, dann gibt es ja jetzt nichts mehr zu bereden. Ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Erhol dich gut."
Hm. Und nun?
In mir regte sich der Trotz. Ich hab auch Urlaub. Ich will auch nach Gardenia. Und sie hat nicht gesagt, ich soll nicht kommen.
Also packte ich alle möglichen Taschen. Eine mit Spulen und Spinnfutter. Eine mit dem Strickzeug, mit dem ich den neuen Entwurf ausprobieren wollte. Eine mit all dem Gemüse, das noch im Kühlschrank lag und aus dem ich eine Gemüsesuppe zaubern wollte. Dazu noch Gewürze, außerdem Kaffee und Milch und eine angebrochene Flasche Mineralwasser [die letzte, die ich noch da hatte].
Als ich halb drei in Gardenia eintraf, war Katl noch immer nicht da. Na gut.
Ich räumte Tisch und Stühle unter den Apfelbaum, zog mich um und wollte gerade anfangen, Unkraut zu jäten, als Katl kam. Während sie sich umzog, quatschten wir und räumten die Missverständnisse aus dem Weg. Dann machten wir uns gemeinsam über den Acker her.
Später baute ich mir eine Küche im Grünen, putzte und schnippelte einen ganzen großen Topf voll Gemüse und zauberte eine meiner "berühmten" Suppen.
Meine Campingküche
Wir speisten, bis wir uns satt und kugelrund fühlten, wobei wir gerade mal die Hälfte der Suppe schafften.
Danach saßen wir in der Abendsonne, bis Katl so sehr fror, dass sie sich unbedingt bewegen musste. Inzwischen begann ich mit dem Stricken meines Entwurfs.
Einen so malerischen Sonnenuntergang wie am Meer konnten wir nicht beobachten, weil bei uns die Sonne lange vor Untergang hinter dem Bahndamm verschwindet, aber Gardenia im Neonengellicht [Blaue Stunde, zur Zeit ca. 21.30 Uhr] sieht auch bezaubernd aus.
Abend in Gardenia

[*Das Ostseefoto stammt wie alle weiteren in dieser Urlaubsreihe wieder von unserem Urlaub in Pogorzelica im September 2007*]

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2 Gedanken zu “Urlaub, 2. Tag

  1. Ich finde es ebenfalls wunderbar von Deinen Urlaubstagen (den geträumten und den wirklichen) zu lesen. Es ist so schön, wie Du durch Deine Zeilen die Ostseestimmung hervorrufts. Ich freue mich auf weitere Urlaubseinträge und natürlich auf Mittwoch.
    Viele liebe Grüße Silke

  2. Das ist aber schön, hier zu lesen! Fast wie das berühmte, in mir wohnende Adventskalendermärchen :)!Da kann man sich wohl jtzt jeden Tag auf’s Aufstehen freuen? Das war heute schwer: von Sa zu So habe ich etwa zwei Std. geschlafen, konnte nicht, bin halb zwei aufgestanden und habe Socken angestrickt. Gestern bin ich sofort nach Markt und Pizza ins Bett, halbe Stunde geschlafen, putzmunter. Aber da heute auch einiges zu tun ist, habe ich mir eine Tablette gegönnt und dann doch gut geruht 🙂 .M#Burch war okay, wenig Stände ( aber Elke S. mit großem), Wetter erträglich, kein Tropfen Regen, nette Nachbarn ( zwei Keramiker aus Halle und alle anderen auch Bekannte) und gar keinen Cent ausgegeben :).Dir ein paar tolle Tage und ich freue mich sehr auf Mittwoch und Dich, auch, Katl kennenzulernen.
    Bis dahin beste Grüßchen von Uta

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