Urlaub, 1. Tag

Am Freitag Abend habe ich noch schnell meinen Koffer gepackt. Das war keine große Sache, schließlich braucht man nicht viel für eine Woche am Meer.
Am Samstag Morgen fuhr ich vor Tag und Tau mit den letzten Tropfen Sprit zu Katl, die mich schon an der Haustür erwartete. Naja, das mit dem "Tag und Tau" ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, denn die Tankstelle, die wir ansteuern wollten, weil es dort immer günstiger ist als anderswo, öffnet erst 5:30 Uhr. Wir waren die ersten, die an diesem Morgen zum Tanken kamen.
Und dann ging es endlich auf die Autobahn. Bei Berlin machten wir die erste Rast. Ich hatte wieder einen meiner Salate gezaubert, Katl steuerte ihr leckeres selbsgebackenes Brot bei.
Bevor wir die polnische Grenze erreichten, gab es noch zwei kleinere Pausen, die letzte ganz kurz vor der Grenze. Im Land wollte ich dann ohne Unterbrechung durchfahren. Nicht, dass uns schon bei der Anreise die neuen Sommerreifen abhanden kämen oder etwas ähnlich Schräges passiert. Ich selbst wäre ja voller Vertrauen an diese Reise gegangen, aber als ich erzählte, dass wir mit meinem Auto fahren wollen, bekam ich aus dem engeren Freundes- und Verwandtenkreis so viel zu hören, über Diebstähle in Polen und im grenznahen Gebiet, dass ich ganz unsicher geworden bin. Zur Ehrenrettung der Polen möchte ich hier sagen, wir kamen ohne jeden Zwischenfall nach Kolberg und wurden herzlich empfangen. Allerdings hatte ich die Strecke etwas unterschätzt, wir brauchten noch einmal fast drei Stunden, bis wir endlich ankamen. Nach einer minikurzen Inspektion des Zimmers schnappten wir uns Wasserkocher, Teebeutel und Tütensuppen und stürmten den Frühstücksraum mit angrenzender Miniküche. Während ich mich um die "heißen Sachen" kümmerte, tafelte Katl ihr Brot, geräucherten Mozarella und ein paar weitere Leckereien aus Michas Bioladen auf.
Nach dem Essen ging es dann endlich an den Strand.
Ostsee, wir sind angekommen.

So oder ähnlich hätte unser erster Urlaubstag ausgesehen, wenn alles so gelaufen wäre, wie wir uns das im März diesen Jahres ausgemalt und geplant hatten. Dann aber hüllte sich der Lieblingsauftraggeber in Schweigen, reagierte weder auf Anrufe, noch auf schriftliche Anfragen, so dass die Zeichnungen noch immer unvollendet auf meinem Mac schlummern und nicht abgerechnet werden können. Meine Krankheit zog sich in die Länge, so dass ich mich lange Zeit nicht um neue Aufträge bemühen konnte. Und ein weiterer Auftraggeber zahlt erst rund zweieinhalb Monate nach erbrachter Leistung, so dass diese Einkünfte erst Anfang Juli zu erwarten sind. Das alles wäre noch zu verkraften gewesen, aber dann kam der überfällige TüV für Jolanda und die dafür notwendigen vier neuen Reifen, Bremsen, Zahnriemen… Innerhalb einer Woche waren sämtliche mühevoll zusammengekratzten Rücklagen aufgebraucht und der Urlaub damit hinfällig.
Nun wäre die Mira nicht DIE Mira, wenn sie nicht umgehend einen Plan B auf die Beine stellen würde. Mein Gedanke: Wir machen Camping in Gardenia. So richtig mit allem Drum und Dran und ohne zwischendurch heim zu fahren. Urlaub eben. Fern ab des Alltags.
Katl war nicht nur einverstanden, ich hatte den Eindruck, sie konnte sich für diese Idee echt begeistern. "Dann muss aber die Wolle aus der Laube verschwinden." Ja, muss sie. Muss sie sowieso.

Getrennt voneinander packten wir am Freitag Abend unsere Taschen. Da musste einiges bedacht werden. Schlafsäcke und dicke Klamotten waren für den Campingaufenthalt nötiger, als Badeanzug und Trägershirt. Kaffee und Milch mussten mit. Außerdem eine Flasche Balsamico-Essig und alles Gemüse, das noch im Kühlschrank schlummerte. Es mag albern sein, Gemüse mit nach Gardenia zu schleppen, aber warum sollte es im Kühlschrank vor sich hin welken, wenn ich nicht da bin?
Außerdem sollte das Spinnrad mit und das Strickzeug, die Handkarden und und und…
Geschlafen wurde in dieser Nacht noch mal daheim. Dafür war ich am Samstag Morgen schon vor 6 Uhr auf, lud das bereit gestellte Gepäck in Jolandas riesigen Kofferraum und tuckerte mit den letzten Tropfen Sprit nach Gardenia.
Ich lud das Gepäck aus, stellte Tisch und Stühle in der Morgensonne auf und sortierte die Wolle, die noch immer in der Laube lag. Diese verstaute ich im Kofferraum. Jolanda würde ich vor Mittwoch nicht brauchen, also konnte die Wolle dort lagern, bis ich sie verspinnen würde. Später kochte ich mir einen Milchkaffee und setzte mich mit dem Spinnrad unter den Apfelbaum.
Katl kam gegen zehn und brachte selbstgebackenes Brot mit und allerlei Leckereien aus Michas Bioladen.
So wurde erst einmal ausgiebig gefrühstückt. Danach ließ es sich Katl nicht nehmen, bis zur in der Gartenanlage zum Gesetz erhobenen Mittagruhe den Reisigberg abzutragen und damit den Schrädder zu füttern. Gegen Mittag zogen dunkle Wolken auf und der ständige Wind wehte Apfelblätter in die von mir gezauberte Gemüsesuppe. So wickelten wir uns für die Mittagsruhe jede in eine kuschelige Decke und packten uns in die Liegestühle. Mit geschlossenen Augen dem Wind zu lauschen, ließ die Illusion aufkommen, wir lägen in bequemen Deckchairs auf einem Kreuzfahrtschiff.
Am Nachmittag hatte der Wind die Wolken weiter getrieben und die Sonne ließ sich wieder blicken.
– Eis essen?
– Hast du welches?
– Nö, aber im Urlaub geht man doch auch mal Eis essen, oder?
– Ich denke, du willst vor Mittwoch nicht Auto fahren?
– Wir laufen!
– Bis zur Puschkinstraße??? [Anm. d. Red.: Das wären ca. 15 km.]
– Wer will denn schon zur Puschkinstraße? Das esprit hat seit Dienstag eine neue Eiskarte. Ich hab sie neulich schon gesehen. Tolle neue Sorten und super günstig.
– Na dann, ich lade dich ein.
Also machten wir uns "ausgehfein", räumten die Stühle und das Spinnrad in die Laube [falls es doch regnet] und machten uns auf den Weg.
Im esprit erwischten wir noch die zweite Halbzeit des Spiels Ghana : Australien und hofften wider besseres Wissen natürlich auf einen Sieg der Australier, damit es die deutsche Mannschaft nächste Woche etwas leichter hätte.
Für den Abend hatte Katl noch eine Überraschung. Tofuwürstchen. So weihten wir ihren neuen Grill ein.
Später saßen wir dick eingemummelt in Kuschelsocken und Fliesshirts unter dem Apfelbaum und strickten, weil man dafür nicht hinschauen muss und das schwindende Abendlicht dafür ausreicht.
Ein schöner erster Urlaubstag.

Doch auch so verlief er nicht.
Aus irgend einem Grund war Mitte der Woche die Kommunikation zwischen Katl und mir abgerissen, so dass wir nichts verabreden konnten. Als wir dann gestern Mittag telefonierten, stellte sich zudem heraus, dass sie meine Bemerkungen im letzten Freitagsfüller als unumstößlich angenommen hatte und demzufolge nur an einen Sonntag im Garten dachte. Das muss ich ihr mal noch erklären, dass man bei so einem Stöckchen nicht alles schreiben kann, was man sich so vorstellt und dass man im Blog ohnehin nicht jede Überlegung bis ins Detail ausbreitet. Auch muss ich die Gute irgendwie dazu bewegen, nicht immer zu warten, bis ich mit Vorschlägen komme. [Wink zu Katl: Du weißt, was ich meine, stimmts? *zwinker*]
Hinzu kam eine außerordentliche Versammlung im Gartenverein. Eine Pflichtveranstaltung, die ich als unangenehm empfinde. Außerdem fiel dadurch mein als Alternative angedachtes Spinntreffen in Lütschena ins Wasser.
Glücklicherweise war ich dadurch aber um die Mittagszeit zu Hause und konnte die Warensendung entgegen nehmen, die die Postfrau nicht in den Briefkasten quetschen wollte. Sabinci hat mir ein super schönes Oberteil geschickt, von dem sie meinte, ich fülle es wohl besser aus, als sie selbst. *g* Es ist wirklich ein ganz wundervolles Teil und ich hab mich riesig gefreut. Ganz großes Dankeschön noch mal an dieser Stelle. Fotos gibt es dann am Mittwoch. Da werde ich es nämlich tragen und hoffe, dass Uta trotz meinereine, die darin steckt, ein schönes Foto davon hinbekommt.
Am Nachmittag, nach einem Mini-Einkauf [der Kaffee war alle, und das darf nicht sein] und einem Spaziergang am Fluss…


…gönnte ich mir dann das Fußballspiel Ghana : Australien im café esprit in voller Länge und probierte das super leckere neue Eis. Sobald ich im Juli mein Honorar habe und es entsprechend mittelfristiger Wetterprognose wieder Sommer geworden ist, futtere ich mich dort durch die gesamte Eiskarte. Das habe ich gestern schon angekündigt.
Am Abend schmerzte mein rechtes Auge, so dass ich früh zu Bett ging.
Das war nun wirklich mein erster Urlaubstag.
[*Das Ostseefoto stammt übrigens von unserem Urlaub in Pogorzelica im September 2007*]

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2 Gedanken zu “Urlaub, 1. Tag

  1. Ja, liebe Sabine, so hast du das ja auch geschrieben und ich fand das sehr liebevoll formuliert. *hihi*
    Tatsache ist, dass es einfach super schön ist. Und übrigens genau die Farbe meiner Sommerschuh. Dazu mein heller Rock. Na, wenn das nichts ist, was dann?

    Dir auch noch einen schönen Restsonntag. Mal sehen, ob noch ein Urlaubstag draus wird, Katl scheint dazu keine Lust zu haben.
    Kann Frau nichts machen. Mach ich mir eben so einen schönen Tag, auch wenn es anders gedacht war.
    Liebe Grüße
    die Mira

  2. Tja, frau muß aus allem immer das Beste machen =)!
    Denn, oft kommt es anders, als man denkt.
    UND…..ich meinte nicht, daß Du es besser ausfüllst. Deine Formen sind etwas weiblicher als meine…..*g*
    Hab nen schönen Sonntag
    und genieße Deinen Urlaub,
    Grüßchen
    Sabine

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