Geschlossene Wolkendecke…

…und mindestens 10° kühler als gestern. Die Temperatur ist angenehm, die Wolken sind es nicht, weil das Grau vor den Fenstern gleich wieder auf die Stimmung drückt. Dennoch ist es das passende Wetter, um noch Unterrichtsvorbereitungen zu machen, weil man nicht das Gefühl hat, draußen sehr viel Schönes zu verpassen.
Es ist dringend erforderlich, diese Vorbereitungen zu erledigen, weil ich morgen mit einem weiteren neuen Auftrag beginne, und dort, im Gegensatz zu den meisten anderen Auftraggebern die zu verwendenden Unterlagen nicht vorgegeben sind, sondern eigene verlangt werden. Im Grunde ist mir das sogar lieber, weil ich so die Unterlagen didaktisch folgerichtig aufbauen kann. Nur macht es eben eine Menge Arbeit, die ich im Vorfeld gar nicht geschafft habe. Also sollte das heute passieren. Der graue Tag ist also wie geschaffen für meine Arbeit.
Nur(!) hat Mutti Kassler gekauft, das sie im Garten grillen möchte… nein, halt, das ist falsch ausgedrückt: das ich im Garten grillen soll. Mittlerweile kann ich den Garten nicht mehr ausstehen. Und warum? Weil er kein Rückzugsort mehr ist, an dem ich vom nervigen Alltag abschalten kann. So war das früher, noch bis zum Sommer 2013. Da konnte ich an einem Wochenende im Garten Kraft tanken für die nächsten zwei bis drei Wochen. Es sei denn, Chris brachte diese unsägliche Caro mit. Aber das kam zum Glück nicht jede Woche vor.
Letzten Sommer aber funktionierte der Rückzug vom Alltag und das Kraft Tanken nur noch, wenn ich am Wochenende gegen 6 Uhr aufstand, damit ich gegen 7 Uhr {sozusagen vor Tag und Tau} unter dem Apfelbaum sitzen, Kaffee trinken und ein paar Reihen stricken oder ein paar Seiten lesen konnte. Ab 9 Uhr war es dann mit dem Abschalten vorbei, da hatte mich der "Dienst" fest im Griff. Mutti behauptet ja steif und fest, dass ich den Garten nicht mehr mag, läge daran, dass ich jetzt die Werkstatt habe. Das hat sie sich so überlegt und nun steht es für sie fest und sie reibt mir das auch mindestend zweimal die Woche unter die Nase. Dadurch wird es aber trotzdem nicht wahr. In Wahrheit ist es nämlich gar nicht der Garten selbst, der mich stört, sondern die Tatsache, dass ich dort nicht hingehen kann, wenn mir danach ist, sondern, dass ich hingehen muss, weil andere mit mir dort sein wollen. Da werde ich freitags gefragt: "Wann gehst du denn morgen in den Garten? Ich habe nämlich was zum Grillen eingekauft."
Kreisch!!!
Man muss mich nicht mit Grillzeug bestechen, damit ich in den Garten gehe und Leute mit dorthin nehme. Wenn ich grillen möchte, kann ich mir auch mein Fleisch kaufen und davon auch gern noch anderen etwas abgeben.
Aber wenn ich am Freitag Abend, wenn ich gerade eine anstrengende Woche hinter mir habe und mich auf das Wochenende und ein wenig Entspannung freuen möchte, schon wieder aufgefordert werde, eben dieses Wochenende durchzuplanen, damit ich alle, die etwas von meinem Leben abhaben wollen, auch möglichst zufrieden stelle, dann macht mich das…
ja, was macht es denn überhaupt? Bis vor ein paar Wochen hat es mich nur fertig gemacht und ich habe erst traurig, später resigniert, noch später regelrecht verzweifelt zugelassen, dass so über mein letztes bisschen Freizeit bestimmt wird.
Mittlerweile hat diese Fremdbestimmung aber so sehr überhand genommen, dass es mich regelrecht wütend macht. Besonders, da ich weiß, dass ich von meinem Leben hergeben kann, soviel ich will, es wird nicht reichen. Das hat sie mir klipp und klar gesagt. Ihr Problem ist nicht, dass sie gebrechlich wäre oder krank. Ihr Problem ist, dass nicht stets und ständig jemand zur Verfügung steht. Sie ist einsam. Und sie will sich daraus auch nicht befreien. Sie will, dass ich sie daraus befreie. Sie hat Freunde, die sie einladen, die sie zu allen möglichen Unternehmungen mitnehmen. Gerade in dieser Woche war sie am Mittwoch eingeladen und ich habe sie dann am Abend abgeholt. Am Donnerstag war sie mit ihrer Freundin in der Stadt und wie sie selbst zugab, war das sehr schön. Am Freitag war ich dann schon wieder bei ihr. Gestern war sie schon wieder eingeladen. Sie hat also beinahe jeden Tag etwas Schönes vor, so dass sie nicht in Depressionen versinken müsste, weil sie immer nur einsam in ihrer Wohnung hockt. Aber sie sagte am Freitag wörtlich: Ja, ich könnte mich freuen. Aber mir reicht das nicht!
Ich wünschte, sie könnte so denken wie Reinhard Mey.

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