Es ist Nacht in Venedig. Der Karneval hat die Stadt verwandelt. Das bunte Treiben dauert bis in die späten Abendstunden. Doch jetzt ist alles still. Ein seltsamer Zauber liegt über der Stadt. In den alten Palästen lauern die Schatten. Manche stehen seit Jahren leer.
Meine Gondel gleitet durch die schmalen Kanäle und hinaus auf den Canale Grande. Der Palazzo Dario mit seiner asymmetrischen Fassade ist mir unheimlich. Ich lasse ihn links liegen und biege in einen schmalen Kanal ein. Das Gefühl, beobachtet zu werden, lässt mich nicht los. Und dann steht sie da auf der kleinen Brücke. Die maskierte Gestalt. 💯
Okay, es ist ein seltsames Drabble. Es ist aber auch ein seltsames Bild,
das Jürgen für sein Fastnacht-Drabble ausgesucht hat. Masken haben für mich schon immer etwas sehr mystisches. Ich könnte unzählige Geschichten darum ranken und alle wären ein wenig seltsam. Das muss so.
Kategorie: Geschichtenbuch
Schreibschnuppe Nr. 7/2026
Mit einem Lächeln, süß wie Honig schaute der Herzog auf sie herab. Sie kniete am Boden, verzweifelt, weil dieser Widerling so viel Macht über sie hatte. In der Hand drehte er die alte Pergamentrolle, die ihrer Urgroßmutter gehört hatte und nun in ihrem Besitz sein sollte. Der gierige Herzog hatte sie an sich gebracht. Nun konnte er die junge Frau seinem Willen unterwerfen.
Wie kam sie nur wieder an das Pergament mit den mächtigen Runen ihrer Familie? Sie duckte sich klein zusammen, wog ihn in Sicherheit. Dann nahm sie all ihren Mut zusammen, sprang auf und entriss ihm die Rolle. 💯
Martinas Schreibimpuls in dieser Woche hieß Pergament – Mut – Honig
Ich bin spät dran, weil die Tage wirbelig waren. So nahm ich mir nicht die Ruhe, einmal 15 Minuten nur an die 100 Wörter zu denken. Jetzt habe ich das Drabble doch fertig gebracht und verlinke es bei Martina.
Wunschzeit 💯 + 💯 + 💯
Da hat doch der Jürgen ein 300-Wort-Drabble geschrieben. Ich habe nachgelesen. Das geht. Man kann Drabbles auch schreiben, mit einem Vielfachen von 100 Wörtern. Und weil Jürgen sich darin auf sein Dienstag-Drabble mit der Katze bezog, habe ich zu Schreibschnuppe Nr. 6 und Dienstags-Drabble nun noch eine Fortsetzung geschrieben.
"Es ist Wunschzeit": sagte eine freundliche Stimme neben mir.
Eine Weile hatten wir ganz still auf der Schaukel gesessen. Nur die Katze und ich. Und der Mond. Woher kam jetzt auf einmal diese Stimme? Suchend schaute ich mich um. Aber da war niemand. Nur die Katze und ich. Und der Mond.
"Wenn der Mond so groß und rund ist und die Sterne so zart glitzern und wir gemeinsam auf einer Schaukel sitzen, dann ist Wunschzeit."
Ich starrte die Katze an. "Has…hast du gerade etwas gesagt?"
Die Katze schmunzelte. Und dann: "Ich. Sagte. Es. Ist. Wunschzeit!" Jedes einzelne Wort betont.
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. "Wieso kannst du sprechen?"
"Ich habe es mir gewünscht!"
"Kann ich mir auch etwas wünschen?"
"Komm mit!"
Elegant sprang die Katze von der Schaukel und trippelte über die Wiese. Sie sah sich nach mir um, dann flitzte sie weiter, bis sie das Ufer eines Sees erreichte. Das Wasser glitzerte silbern im Mondlicht. Am Ufer wuchsen Pilze, die in Neonfarben leuchteten. Ein Stück im Wasser stand ein hölzerner Ausguck.
"Von dort aus gelingen die Wünsche am besten," flüsterte die Katze. Ich lief auf die Plattform zu und wunderte mich nicht im Geringsten, dass meine Füße trocken blieben, als ich in den See hinein watete.
"Überlege dir gut, was du dir wünschst," rief die Katze mir nach und blieb am Ufer zurück.
Da stand ich nun, blickte über den nächtlichen See und grübelte, was ich mir wünschen sollte. Hier in dieser seltsamen Traumwelt war alles so schön, so leicht. Kein Ärger, keine Sorgen.
Ich wünschte, dass ich immer, wenn mein Alltag mir zu stressig würde, hierher zurückkehren könnte.
Das Wasser funkelte in allen Neonfarben. Mir wurde schwummerig.
Dann stand ich auf der Wiese vor meinem Haus. An einem kahlen Baum hing eine Schaukel und schwang sanft im Wind.
Drabble am Dienstag 💯
Ein Experiment
Am vergangenen Mittwoch gab Martina für die 6. Schreibschnuppe in diesem Jahr den Schreibimpuls Regenschirm – Katze – Tee. Den setzte ich in einer Geschichte mit mystischer Wendung um. Dann veröffentlichte Jürgen sein Bild für das Dienstags-Drabble.
Ich fand, das passte hervorragend zu meiner Schreibschnuppe, so dass ich eine interdisziplinäre Fortsetzung schrieb.
Was war das für eine seltsame Situation, in der ich mich plötzlich befand? Wo war ich hin geraten? Bevor ich begreifen konnte, was geschehen war, senkte sich schon der Abend über die Lichtung. An einem kahlen Baum, unter dem die ersten Osterglocken ihre Knospen in den dunklen Himmel reckten, hing eine Schaukel. Die Katze hatte sie zuerst entdeckt und sprang hinauf. Ich gesellte mich zu ihr und stellte eine kleine Laterne zwischen uns auf. Sie leuchtete in sanftem Grün mit dem dicken gelben Mond um die Wette. Rings um uns begannen tausende Sterne zu glitzern. Die Katze schwieg. Ich auch! 💯
Schreibschnuppe Nr. 6/26
Bei Martina gab es heute für die 6. Schreibschnuppe in diesem Jahr den Schreibimpuls Regenschirm – Katze – Tee
Ich saß auf den Terrasse und trank Tee. Die Katze schnurrte um meine Beine. Ich träumte vor mich hin, da entdeckte ich auf dem Rasen zwischen den Büschen etwas Buntes. Beim genaueren Hinsehen erkannte ich einen Regenschirm in Regenbogenfarben. Der Wind hatte ihn jemandem entrissen und in unseren Garten geweht. Ich ging hin, um ihn zu holen. Dabei drehte ich ihn gedankenverloren in meiner Hand, bis die einzelnen Farben verschwammen. Immer schneller drehte ich den Schirm, dass mir ganz schwindelig wurde. Und plötzlich fand ich mich auf einer Waldlichtung wieder. Das Haus war verschwunden. Nur die Katze war noch da. 💯
Drabble am Dienstag 💯
Huch, es schneit. Und ich habe kein Nest, um mich einzukuscheln. Also schnell einmal die roten Federn blustern, damit mein Kehlchen warm bleibt. Ah, was ist denn das da? Ein Berg aus dunkler Wolle. Heißa, da kann ich es mir gemütlich machen. Huch, das schaukelt ja. Warum schaukelt denn dieses Nest?
Ah, es schneit. Da will ich mal meine Nase in die Flocken halten. Ich habe so viele Locken, dass sie meinen Kopf warm halten. Nanu. Wer kommt denn da? Ein süßes kleines Rotkehlchen. Es setzt sich doch geradewegs auf meinen Kopf. Still halten, damit es nicht wieder fort fliegt.
Es sind wieder genau 💯 Wörter. Dieses Drabble verlinke ich nun bei Jürgen in der Wortgarage. Bei ihm habe ich mir auch die 💯 gemopst. 
Übrigens, wer Lust hat, auch mal eine kleine Geschichte zum Bild zu schreiben, darf sehr gern meinem Link folgen und bei Jürgen auch ein Drabble hinterlassen. Und wer sich mit Drabble schwer tut {Anfangs hatte auch so meine Probleme mit genau 100 Wörtern}, der schreibt eben eine andere kleine Geschichte, egal mit wieviel Wörtern. Hauptsache, ihr schreibt. ♛
Schreibschnuppe Nr. 5/26
Der Raum lag im Halbdunkel. Nur um den Tisch mit dem Schachspiel brannten ein paar Fackeln und spendeten etwas Licht. Jacob von Lau grübelte und rechnete, denn er musste dieses Spiel unbedingt gewinnen. Davon hing seine Freiheit, vielleicht sogar sein Leben ab. Wie konnte er sich nur auf diesen Handel einlassen? Burgherr Kuno von Walden hatte angeboten, ihm seine Abgaben zu erlassen, sollte Jacob ihn im Schachspiel besiegen. Sollte er jedoch verlieren, müsse er nicht nur die Abgaben leisten, sondern man würde ihn unbarmherzig in den Kerker werfen. Was weiter mit ihm geschah, konnte niemand sagen. Er musste also gewinnen!
Das ist der Text, der als 5. Schreibschnuppe in diesem Jahr entstand. Martina hatte diesmal den Schreibimpuls Raum – Schach – unbarmherzig gegeben. Ich weiß nicht, warum, in der letzten Zeit drängen sich mir immer Fantasy-Texte auf. 100-Wort-Schnipsel, die Episoden größerer Geschichten sein könnten. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, einmal mehr daraus zu zaubern. Momentan habe ich die Muße nicht. Zu viel stürmt auf mich ein. Aber bald, recht bald könnte ich dafür Zeit haben. Wobei… wie ich mich kenne, kommt dann wahrscheinlich gleich der nächste Sturm auf mich zu. Ach wäre ich doch schon am Meer.
Drabble am Dienstag

Es klingelte an der Haustür. Wer das wohl sein mochte, um diese Zeit und bei diesem Wetter. Anton Ameis ging zur Tür. Da lehnte Gerd Grille am Türrahmen und drückte fast das kleine Häuschen um mit seinem großen Körper.
Herr Ameis war entsetzt. Da jammerte Herr Grille: "Mir ist so kalt. Der Schal wärmt mich kaum und der Hut nutzt gar nichts. Bitte lass mich in deine warme Stube!"
Doch wie sollte das gehen? Die Eingangstür reichte Gerd gerade bis zum Bauch.
"Nimm den Hut ab und bück dich, wir können uns gegenseitig wärmen", sagte Anton. Und so geschah es.
Diesmal waren 100 Wörter viel zu wenig. Ich hätte viel mehr schreiben können. Aber dann wäre es kein Drabble mehr gewesen. Und das sollte sein bei Jürgen.
Wochenend-Elfchen
Freitag
Sichel
des Mondes
lugt durchs Fenster
verzaubert die dunkle Nacht
Träume
Samstag
Du
gibst mir
Kraft und Zuversicht
in deinen starken Armen
Geborgenheit
Sonntag
Wolken
hängen grau
über dem Tag
Ruhe breitet sich aus
Sonntag
Irgendwo muss ich schließlich die Elfchen für das Wochenende notieren.
Schreibschnuppe 4/26
In Martinas kreativer Schreiberei gibt es mittwochs, wie immer, einen Schreibimpuls für ein Drabble.
Stehlampe – Ohrensessel – Termin
Die Nacht war hereingebrochen und hatte Dunkelheit in das kleine Zimmer gegossen. Nur die alte Stehlampe mit den Fransen am Schirm malte einen Fleck aus gelbem Licht auf die Lehne des Ohrensessels, in dem die weißhaarige Frau beinahe versank. Sie hatte sich in den Schatten geschmiegt, brauchte kein Licht, um den Tag vor ihrem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Da war dieser Termin, vor dem ihr gegraust hatte. Nun war er vorüber. Sie durfte bleiben! Das war die Hauptsache, auch wenn sie an manchem Abend die Heizung abdrehen würde, um zu sparen. Sie zog die Wolldecke bis unters Kinn.
Wie immer sind es 100 Wörter. Wie immer hat es Spaß gemacht. Schreibt doch auch einmal mit. Ihr könnt euren Text direkt bei Martina in den Kommentaren hinterlassen oder von dort zu eurem eigenen Blog verlinken.