Wunschzeit 💯 + 💯 + 💯

Da hat doch der Jürgen ein 300-Wort-Drabble geschrieben. Ich habe nachgelesen. Das geht. Man kann Drabbles auch schreiben, mit einem Vielfachen von 100 Wörtern. Und weil Jürgen sich darin auf sein Dienstag-Drabble mit der Katze bezog, habe ich zu Schreibschnuppe Nr. 6 und Dienstags-Drabble nun noch eine Fortsetzung geschrieben.

"Es ist Wunschzeit": sagte eine freundliche Stimme neben mir.
Eine Weile hatten wir ganz still auf der Schaukel gesessen. Nur die Katze und ich. Und der Mond. Woher kam jetzt auf einmal diese Stimme? Suchend schaute ich mich um. Aber da war niemand. Nur die Katze und ich. Und der Mond.
"Wenn der Mond so groß und rund ist und die Sterne so zart glitzern und wir gemeinsam auf einer Schaukel sitzen, dann ist Wunschzeit."
Ich starrte die Katze an. "Has…hast du gerade etwas gesagt?"
Die Katze schmunzelte. Und dann: "Ich. Sagte. Es. Ist. Wunschzeit!" Jedes einzelne Wort betont.
Ungläubig schüttelte ich den Kopf. "Wieso kannst du sprechen?"
"Ich habe es mir gewünscht!"

"Kann ich mir auch etwas wünschen?"
"Komm mit!"
Elegant sprang die Katze von der Schaukel und trippelte über die Wiese. Sie sah sich nach mir um, dann flitzte sie weiter, bis sie das Ufer eines Sees erreichte. Das Wasser glitzerte silbern im Mondlicht. Am Ufer wuchsen Pilze, die in Neonfarben leuchteten. Ein Stück im Wasser stand ein hölzerner Ausguck.
"Von dort aus gelingen die Wünsche am besten," flüsterte die Katze. Ich lief auf die Plattform zu und wunderte mich nicht im Geringsten, dass meine Füße trocken blieben, als ich in den See hinein watete.
"Überlege dir gut, was du dir wünschst," rief die Katze mir nach und blieb am Ufer zurück.
Da stand ich nun, blickte über den nächtlichen See und grübelte, was ich mir wünschen sollte. Hier in dieser seltsamen Traumwelt war alles so schön, so leicht. Kein Ärger, keine Sorgen.
Ich wünschte, dass ich immer, wenn mein Alltag mir zu stressig würde, hierher zurückkehren könnte.
Das Wasser funkelte in allen Neonfarben. Mir wurde schwummerig.
Dann stand ich auf der Wiese vor meinem Haus. An einem kahlen Baum hing eine Schaukel und schwang sanft im Wind.

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