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Tag 3 in Gabis Adventskalender
Das Thema lautet: Zipfelmütze
"Schau mal Klara, die ist doch hübsch!", rief die Frau und zog mich unter einem Stapel anderer Mützen hervor.
"Eine Zipfelmütze", meinte diese Klara zögernd. "Ich habe noch nie eine Zipfelmütze besessen."
"Du besitzt überhaupt keine Mütze", stellte die andere Frau fest, offensichtlich Klaras Schwester, so ähnlich wie die beiden sich sahen.
"Deshalb kaufen wir dir jetzt eine!" Und schon hatte sie mich der Klara auf den Kopf gestülpt.
Hilfe, ich wollte gar nicht wissen, wie das aussah. Ich bin doch kein Sack, den man einfach irgendwo drüber stülpen kann. Zum Glück hatte das auch Klara erkannt. Sie zog und zupfte an mir herum, bis ich halbwegs ordentlich saß.
"Chick", behauptete die Schwester und reichte der Verkäuferin in der Weihnachtsmarkthütte einen Geldschein über den Tresen. "Die nehmen wir!"
Klara warf noch einen Blick in den Spiegel, der an der Seite des Verkaufsstandes hing. Offenbar war sie zufrieden mit ihrem Anblick, denn sie zog mich noch ein Stück tiefer über ihre Ohren. Sie umarmte ihre Schwester und bedankte sich. Dann trug sie mich kreuz und quer über den Weihnachtsmarkt, zwischen Menschenmassen hindurch, vorbei an unzähligen bunten Buden. War das ein Gewimmel. Gerüche strömten auf mich ein, nach Schmalzküchlein, Bratwurst und Glühwein. Für eine Weile blieben die beiden Frauen bei einem altertümlichen Karussell stehen. Das war genauso schön bunt wie ich.
Nachdem sie sich an all dem Trubel sattgesehen hatten, betraten die beiden Frauen ein kleines Café. Das erste, was Klara tat, sie zog mich von ihrem Kopf und schüttelte ihre Locken. Dann setzte sie sich an einen Tisch in einer Ecke, ihrer Schwester gegenüber. Mich legte sie in einem breiten Fensterbrett ab, zwischen einem Weihnachtsstern und einem Christusdorn. Da lag ich nun zwischen den beiden Blumentöpfen und sah nur Klaras Rücken.
Ich muss wohl eingeduselt sein, denn plötzlich hörte ich Stühle scharren und sah, wie die Schwestern sich erhoben, ihre Jacken anzogen und schwatzend das Café verließen.
"Nimm mich mit!", wollte ich rufen. "Lass mich nicht zurück!"
Aber so eine Zipfelmütze wie ich hat keine laute Stimme. Ich kann wohl meiner Trägerin ein paar Geschichten in ihre Ohren flüstern, laut rufen kann ich nicht. Und Klara war es wohl noch nicht gewöhnt, eine Mütze zu haben. So vergaß sie mich auf dem Fensterbrett zwischen den Blumentöpfen.