[ zurück ]

Mittwoch, 26. Dezember 2001, 07:51 Uhr

Der Seesack

7.51 Uhr
liegt auf der Couch und neben ihm aufgestapelt Kleidungsstücke, die ich mitnehmen will. Es ist kein richtiger Seesack, sondern eine überdimensionale Reisetasche, die ich vor 15 Jahren mal selbst genäht habe. Sie hat dicke doppelte Henkel, die lang genug sind, um die Tasche auch wie einen Rucksack auf dem Rücken zu tragen. Ich hatte mir damals diese Konstruktion ausgedacht, weil ich, wenn ich mit Chris verreiste, als er noch klein war, die Hände frei brauchte. Handelsübliche Rucksäcke wiederum waren nicht groß genug, um das gesamte Gepäck für zwei Personen aufzunehmen. Diesmal habe ich ihn heraus gekramt, wegen der dicken Jacken und Pullover, die ich mitnehmen will.
Vorhin musste ich mich noch entschließen, Wäsche zu waschen, weil die Handschuh, Schals und Stirnbänder, die ich aus meinen Schubladen hervorgeholt habe, irgendwie nach Schrank rochen.

Inzwischen zieht Kaffeeduft durch die Wohnung. Ich habe den Bogen raus, aus dieser Glaskanne nicht neben die Tasse zu gießen, und langsam beginne ich, mich wieder zu entspannen.

Hanne hat gestern Abend noch angerufen. Das Gespräch wurde wieder viel länger, als wir eigentlich wollten. Hanne gehört zu den wenigen Menschen, die mir nicht wünschten, ich möchte mir aus dem Urlaub einen netten Mann mitbringen.
Sehe ich wirklich sooo bedürftig aus? *gg*
Aber mal im Ernst, wo wäre denn in den letzten Monaten in meinem Leben noch Platz für einen Partner gewesen? Klar wäre es schön, jemanden zu haben, mit dem man die Freizeit teilen könnte. Vieles ist zu zweit schöner, zum Beispiel Sonnenuntergänge am Meer oder Milchkaffee am Sonntagmorgen. Aber das ist doch nicht alles. Für einen Partner möchte ich doch nicht nur in der Freizeit da sein. Möchte mit ihm auch seine Sorgen teilen, nicht nur meine. Wie hätte ich das denn nun auch noch auf die Reihe bekommen sollen in der letzten Zeit?
Richtig ist, dass ich etwas ändern muss! Ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren, meine Kräfte sammeln und mich dann nicht wieder aufreiben für Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Das muss aufhören, dass ich mich ewig herum geschubst fühle, weil ich mich von allen herum schubsen lasse! Ich bin sicher, dass es mir am Meer gelingen wird, mich zu sammeln.

Morgensonnenstrahlen fallen schräg durchs Fenster, zaubern goldgelbe Lichtflecken auf dei Wände. Die Luft, die herein strömt, fühlt sich fast wie Frühling an.

Kommentare:

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

 
Kommentar schreiben:
Name: E-Mail oder Homepage:  

Script by Alex