Mittwoch, 26. Dezember 2001, 09:13 Uhr
...ist gepackt. Die dicken Pullover sind verstaut. Woran ich nun noch denken muss, sind die Bücher, das Schreibzeug, das Heftchen mit den Postadressen einiger Menschen, die Mappe mit Jürgens Gedichten, vielleicht auch die Mappe mit meinen Gedichten...
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Mittwoch, 26. Dezember 2001, 07:51 Uhr
7.51 Uhr
liegt auf der Couch und neben ihm aufgestapelt Kleidungsstücke, die ich mitnehmen will. Es ist kein richtiger Seesack, sondern eine überdimensionale Reisetasche, die ich vor 15 Jahren mal selbst genäht habe. Sie hat dicke doppelte Henkel, die lang genug sind, um die Tasche auch wie einen Rucksack auf dem Rücken zu tragen. Ich hatte mir damals diese Konstruktion ausgedacht, weil ich, wenn ich mit Chris verreiste, als er noch klein war, die Hände frei brauchte. Handelsübliche Rucksäcke wiederum waren nicht groß genug, um das gesamte Gepäck für zwei Personen aufzunehmen. Diesmal habe ich ihn heraus gekramt, wegen der dicken Jacken und Pullover, die ich mitnehmen will.
Vorhin musste ich mich noch entschließen, Wäsche zu waschen, weil die Handschuh, Schals und Stirnbänder, die ich aus meinen Schubladen hervorgeholt habe, irgendwie nach Schrank rochen.
Inzwischen zieht Kaffeeduft durch die Wohnung. Ich habe den Bogen raus, aus dieser Glaskanne nicht neben die Tasse zu gießen, und langsam beginne ich, mich wieder zu entspannen.
Hanne hat gestern Abend noch angerufen. Das Gespräch wurde wieder viel länger, als wir eigentlich wollten. Hanne gehört zu den wenigen Menschen, die mir nicht wünschten, ich möchte mir aus dem Urlaub einen netten Mann mitbringen.
Sehe ich wirklich sooo bedürftig aus? *gg*
Aber mal im Ernst, wo wäre denn in den letzten Monaten in meinem Leben noch Platz für einen Partner gewesen? Klar wäre es schön, jemanden zu haben, mit dem man die Freizeit teilen könnte. Vieles ist zu zweit schöner, zum Beispiel Sonnenuntergänge am Meer oder Milchkaffee am Sonntagmorgen. Aber das ist doch nicht alles. Für einen Partner möchte ich doch nicht nur in der Freizeit da sein. Möchte mit ihm auch seine Sorgen teilen, nicht nur meine. Wie hätte ich das denn nun auch noch auf die Reihe bekommen sollen in der letzten Zeit?
Richtig ist, dass ich etwas ändern muss! Ich muss mich auf das Wesentliche konzentrieren, meine Kräfte sammeln und mich dann nicht wieder aufreiben für Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Das muss aufhören, dass ich mich ewig herum geschubst fühle, weil ich mich von allen herum schubsen lasse! Ich bin sicher, dass es mir am Meer gelingen wird, mich zu sammeln.
Morgensonnenstrahlen fallen schräg durchs Fenster, zaubern goldgelbe Lichtflecken auf dei Wände. Die Luft, die herein strömt, fühlt sich fast wie Frühling an.
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Dienstag, 25. Dezember 2001, 19:03 Uhr
...den Brief heute Morgen nicht mehr geschafft, weil Mutti anrief und sagte, der Kaffee sei fertig. Ich habe mich dann beeilt, hier weg zu kommen, aber als ich unterwegs war, musste ich mir Zeit lassen. Der Sturm war so herrlich befreiend!
Ich war gegen halb drei zurück und habe dann endlich den Brief geschrieben. Ob er so bleiben kann, muss Chris entscheiden. Es geht mir wirklich besser seitdem. Ich habe mir auch überlegt, wie alles für Chris weiter gehen könnte, falls unser Schreiben keinen Erfolg hat.
In Liisas Forum gab es Antworten zu dem Thema Wanderer zwischen den Welten. Mir hat auch so gut getan, was Liisa in mein Gästebuch geschrieben hat. Ja, ich fühlte mich zerrissen gestern und fühle mich noch immer so, aber die Anteilnahme von Liisa und den anderen in ihrem Forum haben mir geholfen.
Ich habe für Chris getan, was ich im Moment tun kann. Nun müssen wir abwarten!
Da dachte ich nun, ich sei nicht so eine Gluckenmutter, die ihre Kinder nicht loslassen kann, wenn sie eigene Wege gehen wollen. Ja, ich denke schon, dass ich losgelassen habe. Aber ich glaube, ich muss noch begreifen, dass ich Chris nicht vor allem Übel bewahren kann, das sein Leben für ihn bereit hält.
Trotzdem, eine Kündigung als Weihnachtsgeschenk ist einfach fies... Und die Floskel "Mit freundlichen Grüßen" empfinde ich in diesem Zusammenhang entweder als puren Hohn oder als Frechheit.
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Dienstag, 25. Dezember 2001, 08:23 Uhr
...mischt sich mit dem der Räucherstäbchen. Mittelalterliche Musik klingt - Hörprobe einer Gruppe namens Veitstanz aus der Schweiz. Ein Schwapp Kaffee läuft neben die Tasse und klatscht auf den weißen Küchenboden.
Ich werde jetzt diesen Brief schreiben, vielleicht geht es mir danach besser.
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Dienstag, 25. Dezember 2001, 06:22 Uhr
...wie der Abend endete - mit trüben Gedanken. Es ist nicht einmal wirklich richtig Grübeln, es ist nur wie ein Druck, der immer da ist. Ein Schatten, der sich über alles ausbreitet, was ich denke, tue und empfinde. Etwas, das mich lähmt.
Über Nacht ist es wärmer geworden. Die 10 cm dicke Schneeschicht, die die Dachfenster verdunkelte, ist abgetaut. Der Schnee, der noch liegt, ist nass und klebrig - Schneemannschnee! Sturm schüttel tosend die Bäume, rüttelt am Dach.
Ich öffne das Fenster ganz weit, halte den Kopf hinaus. Der Sturm greift mir ins Haar, zerrt daran und - pustet mir das Hirn frei. Noch zwei Tage, dann bin ich am Meer!
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Montag, 24. Dezember 2001, 23:02 Uhr
Oh ja, und es ist die Zeit, in Konstantins Tagebuch zu lesen.
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Montag, 24. Dezember 2001, 22:36 Uhr
Wo ist eigentlich die geblieben, die von ihren Bekannten gerade deswegen gemocht wird, weil sie immer für alles eine Lösung findet???
Ich schließ die Tür ab und ich geh noch ein paar Runden, gieß neuen Wein auf alte Wunden... Ach Micha, wenn ich doch einfach loslassen könnte! Wenn sie mich losließen! Die Gedanken, die Grübeleien...
Es geht immer irgendwie weiter.
Ja, ich weiß, das ist mein Spruch!
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Montag, 24. Dezember 2001, 21:56 Uhr
Es ist nicht die Zeit für dieses alberne Schneeflockenscript. Es ist nicht die Zeit für Kerzen und Lieder und glitzerbunte Bilder.
Es ist die Zeit um nachzudenken, um Lösungen zu suchen und zu finden, um das Unglück zu lindern, das die Bosheit missgünstiger, neidischer, unzufriedener Menschen über Unschuldige gebracht hat.
Es ist die Zeit für ein paar Tränen, weil ich mich so hilflos fühle, so ohnmächtig, denen zu helfen, die meiner Zuwendung bedürfen.
Es ist Zeit, mich in die Einsamkeit zurück zu ziehen, mich in Schweigen zu hüllen.
Ich wünschte nur, ich hätte mich für morgen nicht von Mutti zum Brunch einladen lassen! Ich kann so schlecht lügen, sie wird spüren, dass etwas nicht stimmt. Ich wünschte, ich könnte morgen schon auf die Insel! Weit weg von allem.
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Montag, 24. Dezember 2001, 09:22 Uhr
9.22 Uhr
Lasst uns innehalten und an all jene denken, denen kein friedliches Weihnachtsfest vergönnt ist!!!
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Sonntag, 23. Dezember 2001, 16:00 Uhr
Die Sonne ließ den Schnee glitzern. Weiße Weihnacht, etwas seltenes in diesen Breiten.
Der Hausputz, den ich mir für heute übrig behalten hatte, ging mir zügig von der Hand, so dass ich dann noch Zeit hatte, die Hackbällchen für morgen zu braten und einen Obstsalat zu zaubern. Damit war ich noch beschäftigt, als die Kinder kamen, und Stephie verpackte noch das Geschenk für die Eltern.
Diese kamen dann eine halbe Stunde später. Chris war ganz rührend. Erkümmerte sich um den Kaffee und später um die Getränke. Meinte immer, ich sollte mich setzen und mich auch mal bedienen lassen.
Die Kinder haben mit meinem Geschenk schon den zweiten Film verknipst. Da werden wir ja im neuen Jahr reichlich Bilder zum Betrachten, Sortieren und Weiterverabreiten haben!
Mit meinem einzigen Weihnachtsbild, das ich dieses Jahr gestalten wollte, bin ich gerade mal bis hier her gekommen.
Dauernd stürzen die Bildbearbeitungsprogramme ab. Wahrscheinlich habe ich nun doch zu viele hier drauf.
Von Moonlight habe ich ein Geschenk bekommen.

Moonlight selbst hat mir im Forum noch dieses geschickt...
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Script by Alex